Die Schlagzeile klingt hart. Deutschland und die Ukraine werden gemeinsam Raketen entwickeln, die gegen Russland eingesetzt werden könnten. Die Entscheidung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ist eine Folge der gescheiterten Friedensinitiative von Anfang Mai. Gemeinsam mit Frankreich, England und Polen hatte Merz den russischen Präsidenten Wladimir Putin unter Druck setzen wollen. Feuerpause jetzt oder noch härtere Sanktionen. Weil US-Präsident Donald Trump, der das Vorhaben zunächst unterstützte, über Nacht beidrehte, lachte am Ende Putin und antwortete mit Angriffswellen gegen Wohnhäuser.
Der deutsche Kanzler hat seine Lektion gelernt und sagt der Ukraine mehr Militärhilfe zu. Die Raketenentwicklung ist aber für die Zeit nach einem Waffenstillstand gedacht. Die Ukraine wird sich über Jahre, möglichweise Jahrzehnte, gegen einen weiteren Überfall Russlands wappnen müssen. Deutschland kann davon profitieren. Eine stärkere Ukraine heißt weniger deutsche Schutztruppen. Und von dem enormen Fortschritt der ukrainischen Rüstungsindustrie kann auch die Bundesrepublik profitieren.
Wann die Waffen endlich schweigen, hängt aber am Verhalten von Donald Trump. Nur ihn akzeptiert Putin als ebenbürtig. Da Trump die Geduld mit dem Kreml-Herrn zu verlieren droht, sendet Moskau Signale der Verhandlungsbereitschaft. Eine schnelle Waffenruhe ist dennoch unwahrscheinlich. Putin wird ihr nur zustimmen, wenn der amerikanische Präsident Druck aufbaut. Doch Trump bewundert den Diktator.

