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Trumps Friedensplan: Das ist Kiews Kapitulation

Der durchgesickerte Friedensplan Donald Trumps wäre eine Kapitulation der Ukraine, analysiert GEA-Redakteur Martin Zimmermann.

Hat US-Präsident Donald Trump  den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj verraten?
Hat US-Präsident Donald Trump den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj verraten? Foto: Alex Brandon/ap/Alex Brandon/AP/dpa
Hat US-Präsident Donald Trump den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj verraten?
Foto: Alex Brandon/ap/Alex Brandon/AP/dpa

REUTLINGEN. US-Präsident Donald Trump hat im Wahlkampf versprochen, den Ukraine-Krieg innerhalb eines Tages beenden zu können. Fast ein Jahr später ist nun kurz vor Weihnachten ein US-Friedensplan durchgesickert, der so klingt, als habe Wladimir Putin bei Trump einen Wunschzettel durchgegeben. Die Ukraine soll nicht nur die bisher von Russland eroberten Gebiete, sondern sogar noch zusätzliche Gebiete aufgeben und außerdem ihre Armee halbieren und auf bestimmte westliche Waffen verzichten.

Der Plan liest sich wie eine Kapitulationserklärung der Ukraine. Die europäischen Nato-Verbündeten der USA fühlen sich übergangen und sind empört. Wladimir Putin könnte - wenn der Plan so akzeptiert wird - einen beinahe vollständigen Sieg für sich reklamieren. Allerdings ist dieser Ausgang des Abwehrkampfs der Ukrainer gegen die russische Aggression nicht so überraschend, wie er auf den ersten Blick scheint. Trump hat früh klargemacht, dass er bereit ist, Putin große Zugeständnisse zu machen. Dem Kremlchef war deshalb klar, dass er ziemlich große Forderungen für ein Kriegsende stellen kann. Das hat er bei den Treffen mit Trump offenbar getan.

Die Frage ist, ob die Ukraine überhaupt noch eine andere Wahl hat, als die Friedensbedingungen des Trump-Plans anzunehmen. Die Lage an der Front hat sich langsam, aber kontinuierlich zu ihren Ungunsten gewendet. Den Verteidigern fehlt der Nachschub an Menschen und Material. Wenn Kiew allerdings auf die Bedingungen eingeht und ihre bislang so starke Armee halbiert, hat es keine wirksame Garantie, dass Russland nicht irgendwann erneut angreift. Den Europäern wurde vor Augen geführt, wie machtlos und abhängig von der US-Unterstützung sie militärisch sind. Trotz anderslautender Bekenntnisse sind sie nicht in der Lage, den Ausfall der US-Unterstützung für Kiew zu kompensieren.

martin.zimmermann@gea.de