Logo
Aktuell Kommentar

Steigende Zahl von Schwarzanglern ist ein hausgemachtes Problem

Naturschutzverbände kritisieren zu Recht, dass die Zahl der Schwarzangler im Südwesten immer stärker zunimmt. Doch ein gutes Stück weit liegt das daran, wie hierzulande mit dem Angeln umgegangen wird, kommentiert GEA-Nachrichten-Chef David Drenovak.

Angeln hat nicht erst seit Corona eine regelrechte Renaissance erfahren. Doch im Südwesten steigen die Zahlen derer, die sich il
Angeln hat nicht erst seit Corona eine regelrechte Renaissance erfahren. Doch im Südwesten steigen die Zahlen derer, die sich illegal ans Wasser begeben. Foto: Ingo Wagner/dpa
Angeln hat nicht erst seit Corona eine regelrechte Renaissance erfahren. Doch im Südwesten steigen die Zahlen derer, die sich illegal ans Wasser begeben.
Foto: Ingo Wagner/dpa

REUTLINGEN. Der Landesfischereiverband und der Nabu beklagen berechtigterweise die steigende Zahl der Schwarzangler im Südwesten. Dass Fischwilderei selten oder nicht nachhaltig genug bestraft wird, kann in unserem Rechtsstaat kein Anspruch sein. Doch ein gutes Stück weit ist das Problem hausgemacht. Denn während in anderen Teilen der Republik mit Wasserflächen und der Angelei offener umgegangen wird, bestimmt in Baden-Württemberg die Vereinsmeierei viel zu sehr, wer das Hobby ausüben darf und wer nicht.

Die Problematik alleine auf Ausländer abzuschieben, ist zu billig und entbehrt jeder Grundlage. Denn in den meisten EU-Staaten herrschen mindestens so restriktive Regelungen beim Angeln, wie in Deutschland. Das zeigen auch die Zustände in anderen Bundesländern. Vielmehr ist eine künstliche Verknappung die Ursache des Problems. Nahezu jedes Gewässer im Ländle ist im Besitz von Vereinen oder an diese verpachtet. Tageskarten sind überteuerte Mangelware. Bevor Angelfreunde hier zum Zug kommen, müssen sie Mitgliedsanträge ausfüllen, oft hohe Beiträge zahlen und Arbeitsstunden ableisten. Das lohnt sich für viele nicht, die ein paar Mal im Jahr ans Wasser sitzen wollen.

Anderswo ist das besser organisiert – mit landesweit behördlich geregelten und kassierten Fischereiabgaben, die komplett in Besatz und in Gewässer investiert werden. Dadurch öffnen andere Bundesländer das Angeln nicht nur einer breiten Öffentlichkeit, sie finanzieren bessere Kontrollen. Unser mangelhaftes System kann sicher keine Rechtfertigung für illegale Aktivitäten sein, erklärt aber, warum eine alleinige Verschärfung der Kontrollen nur bedingt die Probleme lösen kann.

david.drenovak@gea.de