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Aktuell Kommentar

So gewinnt man keine Verbraucher für neue Lebensmittel

Die Bedeutung von gentechnisch-veränderten Lebensmitteln ist riesig, schaut man auf Klimawandel, Schädlinge und die stetig wachsende Weltbevölkerung. Mit Intransparenz baut die EU jedoch keine Vorurteile ab, sondern stärkt die Skepsis gegenüber der Wissenschaft, mahnt GEA-Nachrichten-Chef David Drenovak.

Die EU hat die Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Lebensmittel gelockert. Das kommt schon jetzt bei Verbrauchersc
Die EU hat die Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Lebensmittel gelockert. Das kommt schon jetzt bei Verbraucherschützern nicht gut an. Foto: Foto: Sina Schuldt/dpa
Die EU hat die Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Lebensmittel gelockert. Das kommt schon jetzt bei Verbraucherschützern nicht gut an.
Foto: Foto: Sina Schuldt/dpa

REUTLINGEN. In einem pittoresken Garten in einer Augustinerabtei im tschechischen Brünn legte Gregor Johann Mendel einst mit Erbsen den Grundstein für die moderne Genetik. Ebenso begannen andere Anfang des 19. Jahrhunderts mit der gezielten Züchtung von Pflanzen zur Ertragssteigerung. Solchen ebenfalls gentechnisch veränderten Pflanzen stehen und standen die Konsumenten nie so kritisch gegenüber, wie den Sorten aus modernen Laboren.

Vielleicht haben die Verbraucher einfach mehr Vertrauen zum Landwirt in Jeans und Gummistiefeln, als zu Wissenschaftlern mit Schutzbrille und sterilen Laborkitteln. Wenn die EU, wie jetzt, Transparenz verhindert, werden Vorurteile gegen gentechnisch veränderte Lebensmittel nur noch größer. Ob nun eine Differenzierung zwischen verschiedenen Methoden vorgenommen wird, ist den Menschen im Einkaufsmarkt egal. Genauso egal sind ihnen die vielen guten Gründe für den Eingriff ins Genom der Pflanzen oder die zahlreichen Beteuerungen der Industrie, dass die moderne Gentechnik sicher, präzise und gut kontrollierbar sei. Deshalb hat sie der Akzeptanz für die neuen Pflanzen und deren Bedeutung für die künftige Ernährung der Weltbevölkerung einen Bärendienst erwiesen.

Kurzum: Es ist einfach das gute Recht der Menschen zu wissen, was in den Kochtopf und auf den Teller kommt. Ökologische und gesellschaftliche Aspekte erfordern in Sachen Gentechnik weiterhin sorgfältige Regulierung, Monitoring und Transparenz. Die EU hätte so viele unnötige Kennzeichnungspflichten abschaffen oder abmildern können. Doch bei dieser hat sie weder den Produzenten, noch dem Handel und schon gar nicht den Verbrauchern einen Gefallen getan.

david.drenovak@gea.de