REUTLINGEN. Was einst der Grundstein der Generationengerechtigkeit war, ist heute zum Zankapfel der Erbsenzähler geworden. Beim Thema Rente wird nicht nur heiß diskutiert, es wird herb gestritten. Jede Veränderung wird zum Wahlgeschenk für die Alten oder zur Überbelastung der Jungen, und die Erkenntnis, dass das System längst überarbeitet gehört, flattert seit lange vor dem Jahrtausendwechsel durch Medienlandschaft und Parlamente. Welch heißes Eisen die Rente ist, zeigt sich alleine daran, dass erstmals nach 21 Jahren wieder eine Beitragsanhebung ansteht. Die bittere Wahrheit ist, dass es immer mal wieder Erhöhungen gibt, von denen unter dem Strich aber nur das übrig bleibt, was die Inflation nicht frisst - wenn nicht am Ende sogar weniger Kaufkraft bleibt.
Vor diesem Hintergrund ist es mehr als verständlich, dass die jungen Generationen die Angst plagt, viel einzuzahlen und am Ende wenig oder sogar gar nichts mehr herauszubekommen. Entsprechend nachvollziehbar sind die empfindlichen Reaktionen bei jeder neuen Maßnahme der Politik, die das disfunktionale System irgendwie anpasst - aber weder sinnvoll ersetzt, noch zukunftsfähig umbaut. Und die Älteren, die freuen sich, wenn am Ende des Tages ein paar Euro mehr übrig bleiben, die an Enkel gehen oder in kleinen Luxus investiert werden können. Für große Sprünge sorgen die Steigerungen nämlich nicht.
Bei aller Rechnerei darf es bei der Diskussion nicht nur um die finanziellen Werte gehen, die eingezahlt wurden. Es muss auch um die Lebensleistung der Menschen gehen, die das Land jahrzehntelang am Laufen gehalten haben oder dies in den kommenden tun werden. Deshalb steht die Politik an einem Punkt, an dem es kein Aufschieben mehr geben darf. Wenn kurzfristig kein adäquater Systemwechsel vollzogen werden kann, bleibt nur die Lösung, dass der Staat aus eigenen Mitteln zuschießt.

