Logo
Aktuell Kommentar

Rente ist mehr als Beiträge zu einer Versicherung, sie ist Lohn für Lebensleistung

Wenn sich Politiker und Generationen um die Rente zanken, wird zu schnell vergessen, dass es nicht nur um Geld, sondern auch um die Menschen geht. Der Streit ums Ruhegeld muss deshalb zukunftsfähig gelöst werden, kommentiert GEA-Nachrichten-Chef David Drenovak.

Ältere Menschen besuchen in einem Kurpark das Konzert eines Schulorchesters.
Ältere Menschen besuchen in einem Kurpark das Konzert eines Schulorchesters. Foto: Arne Dedert/dpa
Ältere Menschen besuchen in einem Kurpark das Konzert eines Schulorchesters.
Foto: Arne Dedert/dpa

REUTLINGEN. Was einst der Grundstein der Generationengerechtigkeit war, ist heute zum Zankapfel der Erbsenzähler geworden. Beim Thema Rente wird nicht nur heiß diskutiert, es wird herb gestritten. Jede Veränderung wird zum Wahlgeschenk für die Alten oder zur Überbelastung der Jungen, und die Erkenntnis, dass das System längst überarbeitet gehört, flattert seit lange vor dem Jahrtausendwechsel durch Medienlandschaft und Parlamente. Welch heißes Eisen die Rente ist, zeigt sich alleine daran, dass erstmals nach 21 Jahren wieder eine Beitragsanhebung ansteht. Die bittere Wahrheit ist, dass es immer mal wieder Erhöhungen gibt, von denen unter dem Strich aber nur das übrig bleibt, was die Inflation nicht frisst - wenn nicht am Ende sogar weniger Kaufkraft bleibt.

Vor diesem Hintergrund ist es mehr als verständlich, dass die jungen Generationen die Angst plagt, viel einzuzahlen und am Ende wenig oder sogar gar nichts mehr herauszubekommen. Entsprechend nachvollziehbar sind die empfindlichen Reaktionen bei jeder neuen Maßnahme der Politik, die das disfunktionale System irgendwie anpasst - aber weder sinnvoll ersetzt, noch zukunftsfähig umbaut. Und die Älteren, die freuen sich, wenn am Ende des Tages ein paar Euro mehr übrig bleiben, die an Enkel gehen oder in kleinen Luxus investiert werden können. Für große Sprünge sorgen die Steigerungen nämlich nicht.

Bei aller Rechnerei darf es bei der Diskussion nicht nur um die finanziellen Werte gehen, die eingezahlt wurden. Es muss auch um die Lebensleistung der Menschen gehen, die das Land jahrzehntelang am Laufen gehalten haben oder dies in den kommenden tun werden. Deshalb steht die Politik an einem Punkt, an dem es kein Aufschieben mehr geben darf. Wenn kurzfristig kein adäquater Systemwechsel vollzogen werden kann, bleibt nur die Lösung, dass der Staat aus eigenen Mitteln zuschießt.

david.drenovak@gea.de