Der Auftritt beim Arbeitgebertag sollte für einen CDU-Kanzler ein Heimspiel sein. Erst recht für einen als so wirtschaftsfreundlich geltenden wie Friedrich Merz. Dennoch musste der Ehrengast sich einige kritische und mahnende Worte anhören. Seine schwarz-rote Koalition hat zwar einiges auf den Weg gebracht. Doch schon vor Merz’ Ankunft hatte sich Gastgeber Rainer Dulger im Rentenstreit in deutlichen Worten gegen ihn gestellt und mit Nachdruck eine Kurskorrektur an den vom Kabinett abgesegneten Rentenplänen gefordert. Für einen Unionskanzler, der mit dem Versprechen angetreten ist, Ordnung in Haushalt und Sozialstaat zu bringen und die Stimmung im Land zu drehen, ist das ein Misstrauensvotum aus der eigenen Kernklientel, über das höflicher Applaus nicht hinwegtäuschen kann.
Es geht längst nicht mehr nur um ein Rentenpaket, sondern um die Frage, ob Politik noch in der Lage ist, in Wahlzeiten unpopuläre Wahrheiten auszusprechen, oder ob sie lieber so tut, als ließe sich das demografische Risiko vertagen. Das Geld wird knapp, die Zeit auch. Gefragt wäre jetzt ein Kanzler, der liefert, was Merz selbst von seinem Vorgänger Olaf Scholz stets eingefordert hat: Führung. Und der die Versprechen, die er der jungen Generation gemacht hat, auch einlöst. Er muss die Rückendeckung nutzen, die der Bundespräsident ihm gegeben hat.

