Die Wahrheit kommt scheibchenweise ans Licht. Immer mehr verdichten sich Vermutungen, wonach Altkanzler Helmut Kohl auf ein Gutachten zur möglichen atomaren Endlagerstätte Gorleben Einfluss genommen hat. Ziel war es dabei offensichtlich, die Warnungen der Wissenschaftler vor dem atomaren Dreck im niedersächsischen Salzstock in den Wind zu schlagen und Sicherheitsbedenken herunterzuspielen. Die Suche nach alternativen Standorten und damit weiteres Unbehagen in der Bevölkerung sollte so vermieden werden.
Nun sollen alle Akten auf den Tisch. Ob bei der Sichtung jedoch allzu viel brisante Details und neuere Erkenntnisse über die jüngste deutsche Geschichte ans Tageslicht befördert werden, darf ohne Untersuchungsausschuss und bis zum Beweis des Gegenteils getrost bezweifelt werden. In einer schönen farblichen Abfolge wechselten sich nämlich die Umweltminister aus dem schwarzen, dem grünen und dem roten Lager ab und selbst die gegenwärtige Kanzlerin stand dem Umweltministerium mehrere Jahre vor. Im Jahr 1983, als Kanzler Kohl angeblich mit der Faust auf den Tisch schlug, hat es weder ein Umwelt- noch ein Atomministerium gegeben, sondern firmierte unter dem Ressort Forschung. Es wird deshalb wohl äußerst schwierig sein, alle damaligen Vorgänge exakt zu klären. Allen Reibereien zum Trotz strahlt der Atommüll aber weiter.
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