REUTLINGEN. Die Nato rüstet auf. Das haben die Verteidigungsminister der Bündnisstaaten am Donnerstag in Brüssel beschlossen. Für Deutschland bedeutet das Verteidigungsausgaben in Höhe von 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sowie die Aufstockung der Bundeswehr um bis zu 60.000 Soldaten.
Damit reagiert die transatlantische Allianz auf die Bedrohung durch Russland. Geheimdienste rechnen damit, dass Moskau in spätestens fünf Jahren in der Lage sein wird, einen Nato-Staat militärisch anzugreifen. Ein wahrscheinliches Ziel ist das Baltikum. Die drei post-sowjetischen Staaten haben sich zu stabilen Demokratien entwickelt. Davon fühlt sich das autoritäre Kreml-Regime herausgefordert. Es braucht die außenpolitische Konfrontation, um von innenpolitischen Problemen abzulenken. Mit Provokationen wird es womöglich testen, wie ernst die Nato-Partner ihre Beistandspflicht nehmen. Um dem Einhalt zu gebieten, braucht es Soldaten und Waffen. Wenn die Abscheckung funktioniert, dann kommen sie hoffentlich nie zum Einsatz.
Dass Deutschland aufgrund seiner Größe und Wirtschaftskraft einen wichtigen Beitrag zur gemeinsamen Anstrengung leisten muss, ist unbestritten. Leider ist es mit Waffen nicht getan, sondern es braucht auch Soldaten. Dass diese sich angesichts der realen Gefahr für Leib und Leben in ausreichend großer Zahl freiwillig zum Dienst melden, ist unwahrscheinlich. Darum wird Deutschland um die Wehrpflicht wohl nicht herumkommen. Je eher dazu eine Entscheidung getroffen wird, desto besser. Denn Rekrutierung und Ausbildung brauchen Zeit, ebenso der Aufbau von Musterungsstellen und Kasernen. Schließlich hat Deutschland sowohl Personal als auch Infrastruktur Jahrzehnte lang kaputt gespart. Mehr gesellschaftliche Akzeptanz fände die Zeitenwende wohl, wenn die angedachte Wehrpflicht für Männer zur Dienstpflicht für beide Geschlechter erweitert würde. (GEA)

