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Merz in Brasilien: Locker-flockig zum Eklat

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU)
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). (Archivfoto) Foto: Philipp von Ditfurth/DPA
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). (Archivfoto)
Foto: Philipp von Ditfurth/DPA

Bundeskanzler Friedrich Merz hat wieder einmal mit einer unbedachten Äußerung die Gemüter hochkochen lassen. Dieses Mal hat er sogar eine ganze Nation gegen sich aufgebracht. Mit einer nonchalanten Bemerkung über die angeblich fehlende Lebensqualität in Belém hat Merz die Gastgeber der Klimakonferenz brüskiert. Die Empörung in Brasilien ist lautstark: Präsident Lula bot dem Kanzler kulinarische wie kulturelle Nachhilfe an. Bürgermeister und Medien warfen ihm Arroganz vor, und das nicht zu Unrecht.

Die Szene ist bezeichnend für Merz’ Stil: locker-flockig einen raushauen, und schon ist ein Volk beleidigt, das eigentlich ein enger Partner werden soll. Solch diplomatische Eigentore sind kein einmaliges Malheur. Merz sorgt öfter mit seinen Pointen für Irritationen. Er wertet Berlin gegenüber Belém auf. Dabei ist die Bundeshauptstadt das Paradebeispiel deutscher Selbstüberschätzung: Zwischen Knäueln aus E-Rollern, unendlichen Umleitungen und behördlicher Bräsigkeit fragt man sich, warum gerade in Berlin das Wort Lebensqualität erfunden worden sein soll.

Die brasilianischen Gastgeber hätten dem Kanzler durchaus einiges beibringen können – über Gastfreundschaft, Lebenslust und die Bereitschaft, auch im Chaos noch Haltung zu bewahren. Was bleibt, sind gekränkte Gemüter in Südamerika, und ein Kanzler, der mit seinen Auftritten beweist: Spontaneität ist selten ein Zeichen von Souveränität, aber häufig ein Anlass für Kopfschütteln. 

politik@gea.de