REUTLINGEN. Nun ist die Kuh also endlich vom Eis. 26 Jahre lang verhandelten die EU und die südamerikanischen Mercosur-Staaten über ein umfangreiches Freihandelsabkommen, bis endlich ein Kompromiss gefunden wurde, dem die Mehrheit der EU-Staaten zustimmen kann. Für die europäische und insbesondere für die exportstarke deutsche Wirtschaft ist das eine gute Nachricht.
Schutz des Regenwaldes stärken
Natürlich gibt es auch besorgte Stimmen. Europäische Landwirte fürchten die Konkurrenz aus Südamerika und den Preisdruck den diese mit ihren riesigen Anbauflächen und geringen Umweltauflagen auf dem hiesigen Markt erzeugen können. Um die Ängste der Bauern zu lindern wurden jedoch extra Schutzklauseln in den Vertrag implementiert, die einen übermäßigen Preisverfall verhindern sollen. Umweltschützer fürchten, dass die Zerstörung des Regenwaldes weiter zunehmen wird, wenn Anbauflächen vergrößert werden, um die steigende Nachfrage aus der EU zu bedienen. Um dem vorzubeugen, sollte die EU schleunigst die bereits zweimal verschobene Verordnung zum Schutz von Wäldern umsetzen.
Gegenmodell zu anderen Weltmächten
Mit der Zustimmung gegen den Willen von Frankreich, Polen, Irland und Ungarn beweist die EU Handlungsfähigkeit auch bei kontroversen Themen. Und mit dem Willen, Kompromisslösungen am Verhandlungstisch zu suchen, präsentiert sich die EU als Gegenmodell zu anderen Weltmächten, die nicht davor zurückschrecken, mithilfe von Drohung, Erpressung oder militärischer Gewalt ihren Willen durchzusetzen. Doch das Bekenntnis zur Methode »Zuckerbrot« wäre noch überzeugender, hätte die EU eine furchterregendere »Peitsche« - um dann ganz bewusst auf deren Einsatz verzichten.

