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Aktuell Regierung

Mann trifft sich

Der Koalitionsausschuss soll die Richtungsentscheidungen treffen. Die Besetzung des Gremiums ist umstritten

Entscheidung im kleinen Kreis: Im Koalitionsausschuss legen die Spitzen der Regierungsparteien CDU, CSU und SPD den Fahrplan der
Entscheidung im kleinen Kreis: Im Koalitionsausschuss legen die Spitzen der Regierungsparteien CDU, CSU und SPD den Fahrplan der Kabinettsarbeit fest. Mit von der Partie sind auch die beiden Parteichefs Friedrich Merz (CDU, rechts) und Lars Klingbeil (SPD). FOTO: KAPPELER/DPA
Entscheidung im kleinen Kreis: Im Koalitionsausschuss legen die Spitzen der Regierungsparteien CDU, CSU und SPD den Fahrplan der Kabinettsarbeit fest. Mit von der Partie sind auch die beiden Parteichefs Friedrich Merz (CDU, rechts) und Lars Klingbeil (SPD). FOTO: KAPPELER/DPA

BERLIN. Nur nicht so enden wie die Ampel. Das ist das Ziel. Die Koalition aus Union und SPD hat sich vorgenommen, Unstimmigkeiten möglichst frühzeitig aus dem Weg zu räumen. Zentrales Instrument dafür: der Koalitionsausschuss. Einmal im Monat wollen sich die Spitzen der Regierungsparteien treffen, um zentrale Vorhaben zu diskutieren. Am Mittwoch steht die erste Sitzung an. Und es gibt einigen Gesprächsbedarf.

Die Koalition trifft sich im »Drei + drei + drei + zwei«-Format. Sprich: Jede Partei – CDU, CSU und SPD – entsendet drei Vertreter, darunter die Parteichefs. Außerdem kommen von Union und SPD je ein »Notetaker« hinzu, wie es heißt. Sie haben aber vor allem Beobachterstatus. Nur nicht zu viele Leute, das ist der Plan. Man will das Format kompakt halten. Auch das soll Streit vorbeugen. Bei der Ampel waren in der Regel deutlich mehr Vertreter im Ausschuss dabei.

Die Streitvermeidung läuft bisher aber nicht ganz ideal. Denn ausgerechnet das Gremium selbst hatte vorab für Unmut gesorgt. Die Union schickt nämlich nur Männer. Und die SPD mit Noch-Parteichefin Saskia Esken nur eine Frau. Vor allem bei den Sozialdemokraten war Kritik zu vernehmen.

»Er berät Angelegenheiten von grundsätzlicher Bedeutung und führt bei Konflikten Konsens herbei«

Weniger bekannt als die Zusammensetzung sind die konkreten Inhalte des Treffens. Selbst der sonst nicht gerade für Zurückhaltung bekannte Markus Söder schweigt sich beharrlich aus. Einen Tag vor der Premieren-Sitzung des Koalitionsausschusses wollen sich der CSU-Chef und seine Partei nicht äußern über ihre Ziele – womit für dieses Mal zumindest ein Ziel erreicht wäre: die Vermeidung eines öffentlichen Streits.

Und zumindest eine Absicht Markus Söders dürfte klar sein, und er hat sie mit der Etablierung des Gremiums auch schon erreicht. Der CSU-Chef sieht im Koalitionsausschuss nämlich eine Art Aufsichtsrat der neuen Bundesregierung, über den er in Berlin mitregieren kann. Die anderen Parteichefs – bis auf die scheidende Saskia Esken – sitzen anders als der bayerische Ministerpräsident ohnehin in Berlin am Kabinettstisch. Söder wollte dort nicht hin, nachdem der Weg zur Kanzlerschaft für ihn verbaut war.

Zwar gab es einen Koalitionsausschuss auch in früheren Bündnissen schon. Dieses Mal will man aber regelmäßiger tagen. Vereinbart ist das Treffen im Koalitionsvertrag. Zu den Inhalten des Ausschusses heißt es dort: »Er berät Angelegenheiten von grundsätzlicher Bedeutung, die zwischen den Koalitionspartnern abgestimmt werden müssen, und führt in Konfliktfällen Konsens herbei.«

Ein Thema dürfte der Haushalt sein. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) kündigte am Dienstag milliardenschwere Investitionen an. »Wir fangen jetzt schon an, das Sondervermögen umzusetzen, und wollen schon in diesem Jahr die Investitionen massiv auf rund 110 Milliarden Euro erhöhen«, sagte der SPD-Politiker in Berlin. Die Ampel war am Geld zerbrochen. Umso mehr dürfte die aktuelle Regierung hier Diskussionsbedarf sehen.

Außenpolitisch wird es wohl vor allem um die Kriege in Nahost und der Ukraine gehen. Aus der SPD wurden zuletzt vereinzelt Stimmen laut, Waffenlieferungen an Israel einzustellen. Im Außenministerium sieht man das dem Vernehmen nach kritisch. Kritik von den Sozialdemokraten kam auch an der Ankündigung von Friedrich Merz, die Reichweitenbeschränkung bei den Waffen für die Ukraine aufzuheben. Auch hier gibt es Diskussionsbedarf. Umso mehr, weil am Mittwoch der ukrainische Präsident Selenskyj in Berlin erwartet wird.

»Die Regierung soll Einigkeit schaffen und ihre Linie klar nach außen kommunizieren«

Und dann ist da noch das Dauerthema Migration. Alexander Dobrindt will Verschärfungen beim Familiennachzug in das Kabinett einbringen. Von den Sozialdemokraten kommt Kritik. »Den Familiennachzug einzuschränken, halte ich nach wie vor für falsch«, sagt der SPD-Abgeordnete Hakan Demir unserer Redaktion. »Menschen, die rechtmäßig in Deutschland leben, sollten mit ihrer Familie zusammenleben dürfen. Die Einschränkung ist ein schmerzhafter Kompromiss mit der Union.« Zu diesem Kompromiss gehöre aber auch, dass das individuelle Asylrecht unangetastet bleibe. »Die SPD setzt sich zudem weiter für Härtefälle beim Familiennachzug ein.«

Druck kommt auch aus der Opposition. »Unsere Erwartung an diesen Koalitionsausschuss ist, dass die Regierung in möglichst vielen Fragen Einigkeit schafft und vor allem klar nach außen kommuniziert, was denn nun ihre Linie ist«, sagt Irene Mihalic, parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, unserer Redaktion. »Das gilt insbesondere für die aus unserer Sicht europarechtswidrigen Grenzkontrollen des Bundesinnenministers.« Auch in der Koalition seien die umstritten, sagt Mihalic. So betonte die Justizministerin kürzlich, die Kontrollen müssten europarechtskonform sein. »Vor allem mit Blick auf unsere europäischen Nachbarn und Partner wäre es wichtig, hier möglichst schnell Klarheit zu schaffen.« (GEA)