Logo
Aktuell Fest des Glaubens

Kirchentag: Käßmann kritisiert Profitgier der Wirtschaft

STUTTGART. Die Theologin Margot Käßmann hat eine Profitgier in Teilen der Wirtschaft kritisiert und zu Protest aufgerufen. »Wir können uns nicht ständig als Ausgelieferte in einem anonymen System betrachten«, sagte sie am Donnerstag beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Stuttgart.

Die Theologin Margot Käßmann beim Eröffnungsgottesdienst.
Die Theologin Margot Käßmann beim Eröffnungsgottesdienst. Foto: dpa
Die Theologin Margot Käßmann beim Eröffnungsgottesdienst.
Foto: dpa
»Wir sollten genau hinsehen und hinhören, selbst Verantwortung übernehmen und diejenigen zur Rechenschaft ziehen, die für Fehlentwicklung und Unrecht verantwortlich sind, sich bereichern, handeln und entscheiden, was nicht der Zukunft dient.« Die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sprach vor tausenden Zuhörern in einer voll besetzten Kirchentagshalle.

Die Finanzkrise sei kein Schicksalschlag des Marktes gewesen sondern das Ergebnis von Spekulationen, an denen sich einige wenige bereichert hätten, sagte Käßmann. »Wir sind offensichtlich an einem Punkt angekommen, an dem sich die Grenzen einer bestimmten Form von Wachstum im Bereich des Finanzkapitals so deutlich gezeigt haben, wie selten zuvor. Aber gelernt haben wir aus vergangenen Krisen nicht.« Zynischerweise boomten vor allem Investitionen in Rüstungskonzerne, deren Geschäfte dank der Konflikte in Nordafrika und dem Nahen Osten aufblühten.

Käßmann hielt eine Bibelarbeit zum Gleichnis des unehrlichen Verwalters (Lukas 16,1). Einen Erlass von Schulden wie in der Bibelpassage solle es auch für Staaten geben. »Das wäre mal eine Vision für Griechenland.« (dpa)

Schäuble wendet sich auf Kirchentag gegen Schuldenerlass für Athen

Stuttgart (dpa) - Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat sich gegen einen Schuldenerlass für Griechenland ausgesprochen. Schuldenschnitte würden auch eine Enteignung der Sparer bedeuten, sagte der CDU-Politiker am Donnerstag bei einer Bibelarbeit auf dem Kirchentag in Stuttgart. Denn »mit dem Schuldenerlass sind die Forderungen auch weg, das eine geht mit dem anderen zusammen«. Wie im privaten Insolvenzrecht gebe es auch bei übermäßiger Staatsverschuldung Vereinbarungen zwischen Gläubigern und Schuldnern.

Bei ärmeren Ländern wie Nepal könne im Einzelfall ein Schuldenerlass möglich sein, sagte Schäuble. In der EU aber zahle »Griechenland durch die solidarische Haftung aller anderen Euro-Mitgliedsstaaten für seine gesamte Staatsverschuldung einen niedrigeren Zinssatz als zum Beispiel Deutschland«. Deswegen müssten aber auch die Vereinbarungen zu Reformen in Griechenland eingehalten werden. (dpa)