REUTLINGEN. Allein die Tatsache, dass US-Präsident Trump seinen Sondergesandten Steve Witkoff zusammen mit Schwiegersohn Jared Kushner zu den Ukraine-Verhandlungen nach Berlin geschickt hat, kann Kanzler Friedrich Merz schon jetzt als Erfolg verbuchen. Denn Trump soll über seinen Schwiegersohn einmal gesagt haben: »Wir holen Jared mit dazu, wenn der Deal finalisiert werden soll.« Zur Erinnerung: Kushner und Witkoff verhandelten im Namen von Trump schon das erfolgreiche Gaza-Abkommen.
Merz machte gestern klar: Es dürfe keinen Frieden ohne die Einbindung Europas geben. Europa will nicht mehr nur Zaungast bei den Verhandlungen sein, sondern selbst als Architekt mitwirken, Trump zeigen, dass Europa ein Partner auf Augenhöhe ist. Es geht nun um die Überarbeitung des 28-Punkte-Friedensplans, der im November von den USA vorgestellt wurde und der eine stark russische Färbung besaß. Dieser enthielt keine wirklichen Sicherheitsgarantien für die Ukraine, das soll sich ändern. Im Gegenzug könnte die Ukraine zu schmerzhaften Gebietsabtretungen bereit sein.
Dass es in Berlin zu einem sofortigen und endgültigen Frieden zwischen der Ukraine und Russland kommt, ist unwahrscheinlich. Das Ganze bleibt ein nervenaufreibender Kuhhandel, bei dem der Käufer, also der russische Präsident Putin, nicht vor Ort ist und außerdem seine Missbilligung schon aus der Ferne kundgetan hat. Und trotzdem: Ein Rahmenabkommen oder gar ein Waffenstillstand als Ergebnis ist möglich. Das allein wäre schon ein riesiger Schritt Richtung Frieden. Den Frieden, den Trump einen wichtigen Deal nennen würde. Und genau den will er unbedingt haben.

