REUTLINGEN. Surfen im Internet - das ist laut Freizeit-Monitor die beliebteste Freizeitaktivität der Deutschen. Das kann man begrüßen oder bedauern. Umkehren lässt sich dieser Trend aber nicht. Zumal artverwandte Aktivitäten wie »mit dem Laptop spielen« oder »mit Smartphone surfen« ebenfalls auf den vorderen Plätzen zu finden sind. Jedenfalls weit vor »Sport treiben« oder »lesen«. Das ist eine bedenkliche Entwicklung, auf die die Politik dringend reagieren muss.
Je mehr Zeit die Menschen im Internet verbringen, desto weniger Zeit bleibt für Bewegung und Sport. Schon heute gelten 42 Prozent der Frauen und weit mehr als die Hälfte aller Männer, nämlich 62 Prozent, als übergewichtig. Auch bei Kindern und Jugendlichen steigt laut WHO der Anteil der Übergewichtigen seit Jahrzehnten stark an. Das kann nicht nur für jeden einzelnen schlimme Folgen haben. Das bedeutet auch für das ohnehin angespannte Gesundheitssystem enorme Kostensteigerungen in diesem Bereich. Das heißt, dass bereits in der Schule mehr Wert auf Sport und Bewegung gelegt werden muss, und auch die Folgen von zu wenig Bewegung deutlich gemacht werden müssen. Ernährungslehre muss endlich zu einem Schulfach gemacht werden. Kindern muss gesunde Ernährung beigebracht und klar gemacht werden, dass Chips nicht die natürliche Erscheinungsform der Kartoffel sind.
Auch die Parteien müssen auf diesen Trend reagieren und ihre Inhalte im Internet verbreiten. Prägnant und plakativ. Denn immer weniger Menschen nehmen sich die Zeit, sich hintergründig über komplexe Sachverhalte zu informieren. Wenn die seriösen Parteien das nicht tun, überlassen sie den Extremen der Linken und Rechten das Feld. Die meinten schon immer, mit genauso einfachen wie falschen Slogans nach der Art von »weniger Ausländer - mehr Wohlstand« die Welt erklären zu können. Unfassbar, aber es klappt - immer wieder.

