REUTLINGEN. Nicht nur vonseiten der demokratischen Parteien, sondern auch von anderen Wirtschaftsverbänden und den Gewerkschaften hagelt es Kritik am Entschluss der Familienunternehmer, das Kontaktverbot zur AfD aufzuheben. Mehrere namhafte familiengeführte Unternehmen haben dem Interessenverband bereits den Rücken gekehrt als Reaktion auf die Entscheidung von Verbandspräsidentin Ostermann. Das zeugt von Haltung!
Natürlich ist es richtig, wenn einige Unternehmer fordern, man müsse die AfD inhaltlich stellen. Die Strategie der völligen Ausgrenzung hat als Rezept gegen die Rechtsextremisten versagt. Doch die Auseinandersetzung mit den politischen Positionen der AfD ist in erster Linie Aufgabe des Journalismus. Dazu gehört eben auch, Parteien ein Forum zu bieten, wo sie ihre Agenda vorstellen können und diese kritisch zu hinterfragen. Genauso richtig ist es, der AfD in moderierten Podiumsdiskussionen die Gelegenheit zu geben, für ihre politischen Überzeugungen zu werben. Die Entscheidung an der Wahlurne sollte so gut informiert wie möglich getroffen werden. Nur so funktioniert Demokratie vernünftig.
Die Öffnung eines Wirtschaftsverbandes - dessen primäre Funktion die politische Interessenvertretung ist - gegenüber den Rechtsextremisten, sendet dagegen die falsche Botschaft. Die Familienunternehmer signalisieren damit eine gewisse Erwartungshaltung an eine AfD-Regierungsbeteiligung nach der nächsten Wahl und tragen damit zu einer gefährlichen Akzeptanz gegenüber einer Partei bei, die vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft wird. Ein fruchtbarer wirtschaftspolitischer Austausch ist mit der AfD sowieso nicht zu erwarten. Mit ihren Austrittsfantasien aus der EU und dem Euro würden sie Deutschland ruinieren. Und die um sich greifende Ausländerfeindlichkeit, die die AfD mit ihren Hetzreden nur zu gerne befeuert, schadet dem Wirtschaftsstandort mit seinem Fachkräftemangel enorm.

