REUTLINGEN. Das Verhältnis zwischen der Europäischen Union und China ist auf einem Tiefpunkt. Der Besuch von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in Peking wird von Differenzen und Interessenkonflikten dominiert. Kompromisslinien zu finden, fällt schwer. Im Ukraine-Konflikt steht China fest an der Seite des russischen Aggressors. Angesichts der vielen Milliarden, die Europa in den Abwehrkampf der angegriffenen Ukraine investiert, reibt sich Xi Jinping die Hände. Das Geld fehlt den EU-Mitgliedsländern schmerzlich dabei, die heimische Wirtschaft widerstandsfähig zu machen gegen die hochsubventionierte Warenflut aus Fernost.
China fürchtet keine Gegenmaßnahmen
Während chinesische Exporteure mit ihren staatlich geförderten Überkapazitäten die hiesige Wirtschaft unter Druck setzt, fällt es europäischen Unternehmen immer schwerer, im einst so lukrativen Markt in China ihre Marktanteile zu verteidigen. Entschlossene handelspolitische Gegenmaßnahmen der EU braucht Peking kaum zu fürchten, zu groß sind die Abhängigkeiten bei Seltenen Erden, Batterien und Solartechnik. Und einen Handelskrieg an zwei Fronten, der angesichts des erratischen US-Präsidenten wie ein Damokles-Schwert über unserem Wohlstand schwebt, kann sich Europa keinesfalls leisten.
Unabhängigkeit bei Seltenen Erden erlangen
Dennoch muss Europa aufpassen, im Kampf gegen den Klimawandel und die russische Aggression nicht an der Wirtschaftsfront überrollt zu werden. Gerade bei kritischen Ressourcen wie den Seltenen Erden wird die EU nicht umhin kommen, eine eigene Produktion auf die Beine zu stellen. Das dünn besiedelte Grönland bietet gewaltige Vorkommen, die erschlossen werden könnten - auch wenn dies unpopulär sein mag. Auf dem Spiel stehen nicht weniger als unser Wohlstand und unsere Freiheit.

