REUTLINGEN. Vor seiner Wiederwahl gab es lange Zeit kaum jemanden, der Donald Trump echte Chancen eingeräumt hatte. Die wenigsten hätten erwartet, dass er aus dem Nichts heraus den Iran bombardiert oder, wie vor wenigen Tagen, den Präsidenten eines anderen Staates entführen lässt. Vor ein paar Jahren, während seiner ersten Amtszeit, haben noch alle gelacht, als er von einer Annexion Grönlands sprach. Spätestens jetzt muss jedem klar sein: Egal wie utopisch die Äußerungen und Pläne des US-Präsidenten zu sein scheinen, sie müssen ernst genommen werden.
Einmal mehr zeigt sich der kompromisslose Geschäftsmann Trump. Er sieht Amerika als Großkonzern auf einem unregulierten kapitalistischen Markt – der Welt. Um seine Ziele zu verwirklichen, nutzt er alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel. Regularien wie Menschen- oder Völkerrecht stören da nur. Wer sich nicht beugt, wird kaputtgemacht. Was der Konzern dringend braucht, wird geschluckt, ohne Rücksicht auf Verluste.
Die alten Blöcke scheinen sich auf neue radikale Spielregeln geeinigt zu haben. Die Zukunftsprognose in diesem Szenario ist düster. Denn am Ende bleiben nur noch drei oder vier große Player übrig, zu denen Europa, Stand jetzt, nicht zählen wird. Gerade vollzieht sich eine, um es wirtschaftlich auszudrücken, globale Marktbereinigung. Diese wäre in ferner Zukunft vielleicht unausweichlich geworden. Doch wenn Trump in diesem Tempo und mit Grönland weitermacht, wird sie noch zu unseren Lebzeiten Realität werden.

