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Ein Feiertag weniger löst die Probleme unserer Wirtschaft nicht

Einige Ökonomen fordern die Streichung eines Feiertages, um das Wirtschaftswachstum in Deutschland anzukurbeln. Doch was wir wirklich brauchen, sind keine Pflästerchen, sondern tiefgreifende Strukturreformen, meint Politik-Redakteurin Katharina Link.

Mehr arbeiten fürs BIP: Sollten wir einen Feiertag ganz streichen?
Mehr arbeiten fürs BIP: Sollten wir einen Feiertag ganz streichen? Foto: Daniel Bockwoldt/dpa
Mehr arbeiten fürs BIP: Sollten wir einen Feiertag ganz streichen?
Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

REUTLINGEN. Viele Bürger können nach Neujahr gleich mal die Ärmel hochkrempeln. Denn weil im kommenden Jahr mehr Feiertage auf ein Wochenende fallen, müssen die Beschäftigten in Deutschland mehr arbeiten. Einige Ökonomen versetzt diese Aussicht in Hochstimmung, sie versprechen sich von den zusätzlichen Arbeitstagen ein Wirtschaftswachstum. Laut einer Faustregel kann ein zusätzlicher Arbeitstag das BIP um etwa 0,1 Prozentpunkte steigern. Für Deutschland hieße das nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) bis zu 8,6 Mrd. Euro pro Jahr.

Arbeitgeber wie die Chefin des Ditzinger Lasertechnik-Spezialisten Trumpf fordern nun nicht zum ersten Mal, einen Feiertag zu streichen, um unser Wachstum dauerhaft anzukurbeln. Doch Experten sind sich über die tatsächlichen Auswirkungen uneins. Manche geben zu bedenken, dass mehr Arbeitszeit in Zeiten großer Belastungen nicht gleichzeitig zu größerer Produktivität führe.

Insgesamt betrachtet scheint die Streichung eines Feiertages allenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein zu sein. Eine Streichung löst weder die dringenden Probleme, noch scheint ihre Wirkung belegt zu sein. Was wir wirklich brauchen, sind tiefgreifende Strukturreformen, keine Pflästerchen. Anstatt ständig nur über Bürokratieabbau zu reden, sollte dieser endlich angepackt werden. Und mit Blick auf Baden-Württemberg und Bayern, die deutschlandweit am meisten gesetzliche Feiertage haben, drängt sich außerdem die Frage auf, warum genau diese Länder immer noch zu den wirtschaftlich erfolgreichsten zählen.

katharina.link@gea.de