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Aktuell Mediennutzung

Diskussionen um Altersgrenze für Social-Media

Das sagt die Wissenschaft zu den Forderungen von Daniel Günther und Stefanie Hubig

Foto: GEA allgemein Gea
Foto: GEA allgemein Gea

BERLIN. Wer auf Instagram oder Tiktok unterwegs sein will, muss mindestens 13 Jahre alt sein. So schreiben es die Plattformbetreiber zumindest in ihren allgemeinen Geschäftsbedingungen. Viel Fantasie braucht man allerdings nicht, um die Schranke zu umgehen. Und überprüft wird das tatsächliche Alter in der Realität kaum. Mehrere CDU-Politikerinnen und -Politiker forderten daher jüngst eine gesetzlich verankerte Altersverifikation. Dafür sprach sich nun auch Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) aus.

»Kinder und Jugendliche brauchen Schutz statt Selbstdarstellungsdruck«, sagte Hubig der Nachrichtenagentur dpa. Eine klare und wirksame Altersgrenze für die Nutzung sozialer Netzwerke schütze die Privatsphäre von Kindern und fördere eine gesunde Entwicklung. Erste Erfahrungen aus anderen Ländern hätten gezeigt, dass sich eine solche Altersbeschränkung positiv auf Kinder und Jugendliche in Schulen auswirkt. Zum Beispiel in Form von »weniger Mobbing, mehr Konzentration« und einem »sozialeren Miteinander«. Dass viele Kinder und Jugendliche in Deutschland soziale Medien in einem ungesunden Maß konsumieren, zeigte kürzlich eine Studie der Krankenkasse DAK-Gesundheit und dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Bei mehr als einem Viertel der 10- bis 17-Jährigen gilt die Mediennutzung als »riskant«; betroffen seien rund 1,3 Millionen junger Menschen. Bei der Bildschirmzeit gehören Jugendliche in Deutschland zudem zu den Spitzenreitern, wie eine Untersuchung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ergeben hat. Fast drei Viertel der 15-Jährigen verbringen demnach mehr als zwei Stunden pro Schultag mit digitalen Medien zur Unterhaltung. Nur in vier der 36 untersuchten OECD-Länder lagen die Werte noch höher, etwa in Polen und Estland. Hohe Bildschirmzeiten können unter anderem die kognitive Entwicklung von Kindern verschlechtern und zu Schlafstörungen führen. Damit Kinder und Jugendliche einen gesunden Umgang mit digitalen Medien finden, stehen besonders Eltern in der Verantwortung. Auch für sie wäre eine Altersbeschränkung für soziale Medien nach Einschätzung der Justizministerin eine Erleichterung.

»Eltern und sorgeberechtigte Personen geben in unseren Ambulanzen und Stationen an, einem problematischen Medienkonsum ihrer Kinder ›hilflos und ohnmächtig‹ ausgeliefert zu sein«, berichtet Eva Möhler, Chefärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, in der Fachzeitschrift der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz (BzKJ). Eine staatlich vorgegebene Altersgrenze könnte verunsicherten Eltern Orientierung geben und sie entlasten, argumentiert sie.

Im Koalitionsvertrag hatten CDU, CSU und SPD vereinbart, die Auswirkungen langer Bildschirmzeiten und sozialer Medien »schnellstmöglich« wissenschaftlich zu bewerten und ein Maßnahmenpaket zu erarbeiten. Als Vorreiter gilt Australien: Als erstes Land überhaupt wurde dort im vergangenen Jahr ein Gesetz zur Nutzung von sozialen Medien beschlossen. Seit ein paar Monaten ist dort ein Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren in Kraft, das Medienberichten zufolge bisher aber noch leicht umgangen werden kann. Mittlerweile fordern auch europäische Staaten eine verbindliche Regelung zur Altersüberprüfung auf EU-Ebene, darunter Frankreich, Griechenland, Belgien und Spanien. (gea)