REUTLINGEN. Dieser Autobahnabschnitt wird oft als schönste Strecke der Republik gepriesen, doch ist das Stück am Drakensteiner Hang oder dem gegenüberliegenden Lämmerbuckel nicht mit dem Verkehr mitgewachsen. Entsprechend sorgt der Alb-Auf- beziehungsweise -Abstieg zwischen Mühlhausen und Hohenstadt bei Autofahrern in den vergangenen Jahrzehnten immer öfter für Ärger durch Staus und weniger für positive Eindrücke durch die pittoreske Landschaft, durch die er sich schlängelt. Deshalb haben Regierungen und Minister viele Jahre für eine Modernisierung gekämpft.
Nun soll das letzte große Nadelöhr im Südwesten bald Geschichte sein. Mit 1,4 Milliarden Euro erhält Baden-Württemberg einen Löwenanteil der Gelder aus Berlin und das für nur ein riesiges Bauprojekt. Nicht nur Pendler, Speditionen und Touristen dürften sich freuen. Besonders die Bewohner der zahlreichen Anrainergemeinden, die bei Verkehrsunfällen oder Sanierungsarbeiten regelmäßig durch die Umleitungen der Blechlawine belastet worden sind, jubilieren - auch wenn für sie durch den Bau Belastungen kommen werden.
Freilich, die Arbeiten haben noch nicht einmal begonnen und bis zur Fertigstellung werden noch Jahre vergehen, doch ist mit der Finanzierung das größte Etappenziel erreicht. Für die Ausführenden bringt das finanzielle »Go« aus der Bundeshauptstadt aber eine besondere Verpflichtung mit sich. Baden-Württembergs nächstes großes Verkehrsprojekt darf kein zweites Stuttgart 21 werden. Jetzt müssen Baufirmen und Politik zeigen, dass das Ländle wenigstens Autobahn kann.

