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Aktuell Kommentar

Der Bahn-König ist schachmatt

Bahn-Chef Richard Lutz ist begeisterter Schachspieler, nun macht er bei der Deutschen Bahn seinen letzten Zug. Dass Lutz seinen Posten räumen muss, war abzusehen. Der abrupte Abgang kommt dennoch überraschend, besonders interessiert aber, wer sein Nachfolger wird, kommentiert GEA-Nachrichten-Chef David Drenovak.

Richard Lutz, Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Bahn, räumt seinen Posten vorzeitig.
Richard Lutz, Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Bahn, räumt seinen Posten vorzeitig. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Richard Lutz, Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Bahn, räumt seinen Posten vorzeitig.
Foto: Sebastian Gollnow/dpa

REUTLINGEN. Als Kind einer Eisenbahnerfamilie mit vielen Stationen und langer Biografie im Konzern selbst war Richard Lutz für viele der Wunschkandidat für den Posten des Deutsche-Bahn-Chefs. Sechs Wochen lang hatte die Politik 2017 ergebnislos einen Nachfolger gesucht, bis der damalige Verkehrsminister Alexander Dobrindt Lutz als Kandidat aufstellte. Selbst schien der begeisterte Schachspieler weniger überzeugt von seiner neuen Position auf dem Spielbrett zu sein.

Selbst wenn Lutz die vergangenen acht Jahre am Ruder der Bahn war, kann ihm nicht vorgeworfen werden, dass er für die Misere des Schienenverkehrs verantwortlich ist. Jahrzehntelange Misswirtschaft und Fehlentscheidungen für die Zukunftsmobilität kamen aus der Politik. Wenn man sich die Liste der zuständigen Verkehrsminister, mit denen er zusammenarbeiten musste, ansieht, wird schnell klar: Die Bahn war nie das verkehrspolitische Lieblingskind. Dies führte, oft genug dazu, dass für wichtige Entwicklungen die nötigen Mittel nicht da waren. Zudem fiel seine Amtszeit, in die wohl turbulenteste Zeit der Bahn

Ein Stück weit ist Richard Lutz auch selbst Schuld. Zu oft versprach er schwarze Zahlen. Zu oft versprach er Pünktlichkeit und Kundenzufriedenheit. Zu oft konnte er all diese Versprechen nicht einhalten. Zu oft erhielt der Bahnvorstand dennoch seine millionenschweren Boni. Entsprechend verhalten werden die Beileidsbekundungen ausfallen, nachdem er vom aktuellen Verkehrsminister Patrick Schnieder schachmatt gesetzt wurde. Für deutlich mehr Interesse wird seine Nachfolge sorgen. Schon seit Monaten wird spekuliert, wen Schnieder als neuen Spieler ins Rennen schickt, und welche Züge dieser als Nächstes für die Bahn plant.

david.drenovak@gea.de