REUTLINGEN. Die Regierung hat angesichts der russischen Aggression das Gesetz zur neuen Wehrpflicht verabschiedet. Wobei die Pflicht vorerst darin besteht, sich mustern zu lassen. Der Aufbau der Bundeswehr auf die zur Verteidigung und Erfüllung der Bündnisverpflichtung notwendigen 460.000 Soldaten soll vorerst auf freiwilliger Basis erfolgen. Trotzdem schwänzen bundesweit Tausende Schüler den Unterricht, um gegen den Militärdienst zu demonstrieren. Ihnen mangelt es offenkundig an einem Gespür für die Bedrohung, die von Wladimir Putins imperialen Großmachtfantasien auch für unser Land ausgeht.
Das kleinste notwendige Übel
Sicherlich erscheint vielen die Ankündigung, bei zu wenigen Freiwilligen per Losverfahren geeignete Kandidaten einzuziehen, als ungerecht und willkürlich. Es fehlen jedoch im Moment die Infrastruktur, Ausbilder und der politische Wille, ganze Jahrgänge für die Bundeswehr oder den Zivildienst zu rekrutieren. Die Ränge der Bundeswehr notfalls im Losverfahren aufzufüllen, ist das kleinste notwendige Übel, damit unser Land und die EU wieder selbstständig verteidigungsfähig wird. Und wer sich auf gar keinen Fall den Dienst an der Waffe vorstellen kann, dem bleibt es unbenommen, den Wehrdienst zu verweigern.
Spielball skrupelloser Potentaten
Wenn jetzt aber junge Menschen gegen die »Kriegstreiberei« der Bundesregierung auf die Straße gehen, zeigt das, wie erfolgreich Russlands hybride Kriegsführung darin ist, die eigenen Narrative in den Köpfen unserer Bevölkerung zu verankern. Niemand in Deutschland oder Europa will Krieg. Aber wer sich nicht aus eigener Kraft verteidigen kann, der wird zum Spielball skrupelloser Potentaten.

