REUTLINGEN. Die frühere CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer gewinnt die erste Kampfabstimmung um den Vorsitz der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung gegen den von Bundeskanzler Friedrich Merz favorisierten Kandidaten Günter Krings mit 28 zu 21 Stimmen. Das ist eine weitere Niederlage für den Kanzler in einer Abstimmung und wirft die Frage auf, welche Autorität Merz in seiner Partei überhaupt noch hat.
Zu den 50 abstimmungsberechtigten Mitgliedern der Stiftung zählen zahlreiche aktuelle und frühere Minister und Ministerpräsidenten. Dass es hier überhaupt zu einer Kampfabstimmung kommt, ist ungewöhnlich und bisher noch nicht vorgekommen. Normalerweise werden die Mehrheiten für einen solchen Posten im Vorfeld organisiert. Wenn sich ein Bundeskanzler öffentlich für einen Kandidaten wie Günter Krings gegen die bekanntere Kramp-Karrenbauer ausspricht, dann muss er sich eigentlich sicher sein, diesen auch durchsetzen zu können.
Merz hat seinen Einfluss überschätzt und das passiert ihm nicht zum ersten Mal. Als Oppositionsführer scheiterte sein Zustrombegrenzungsgesetz an Abweichlern in der eigenen Partei, bei der Kanzlerwahl brauchte es einen zweiten Durchgang, bei der Richterwahl gab es eine unnötige Verzögerung und zuletzt traute sich die Junge Gruppe, innerhalb der CDU bei der Rentenabstimmung aufzumucken. Das wirft die Frage auf, ob Merz genügend Hausmacht hat, um in wichtigen Entscheidungen seine Partei geschlossen hinter sich zu bringen. Diese Mehrheiten zu organisieren und Abweichler auf Linie zu bringen, wäre eigentlich der Job von Fraktionschef Jens Spahn. Doch der kann entweder keine Mehrheiten für Merz organisieren - oder er will nicht.

