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Beten per Video in der neuen Kapelle

Der Neubau des Oberkirchenrates der Evangelischen Landeskirche Württemberg ist fast fertig

Neue Zentrale für den Oberkirchenrat auf der Gänsheide in Stuttgart: Die Büros sind bald bezugsfertig.  FOTO: LG/ RETTIG
Neue Zentrale für den Oberkirchenrat auf der Gänsheide in Stuttgart: Die Büros sind bald bezugsfertig. FOTO: LG/ RETTIG
Neue Zentrale für den Oberkirchenrat auf der Gänsheide in Stuttgart: Die Büros sind bald bezugsfertig. FOTO: LG/ RETTIG

STUTTGART. Der Neubau des Oberkirchenrats der Evangelischen Landeskirche in Württemberg wirkt vom Baustelleneingang unterhalb des Geländes aus betrachtet noch etwas sperrig. Zurzeit läuft in den zwei-bis dreistöckigen, schlicht wirkenden Bürogebäuden der Innenausbau. Es fehlt aber vor allem das Grün. Viele jetzt noch sichtbare Betonwände werden noch unter hoch aufgeschütteter Erde verschwinden.

Außen setzt eine Fassadenverkleidung aus hellen Backsteinen einen gestalterischen Akzent. Im Streifenmuster aus der Wand hervorstehende Steine sollen Luftverwirbelungen auslösen, welche die Fassade schneller trocknen lassen. Bezugsbereit dürfte die neue Kirchenzentrale im Stuttgarter Osten auf der Gänsheide frühestens Ende 2024 sein. Anvisiert gewesen war ursprünglich dieser Sommer. Mit 63 Millionen Euro Baukosten, die laut bisherigem Stand bis zur Eröffnung Ende 2024 oder Anfang 2025 auch eingehalten werden können, ist der Neubau eines der größten Stuttgarter Büroprojekte der vergangenen Jahre.

Fokus auf Nachhaltigkeit

Innerhalb der Kirche war das Projekt, das am selben Standort ältere Bürogebäude vor allem aus den 1950er-, teils aus den 1980er-Jahren ersetzen soll, in Zeiten sinkenden Kirchensteuereinnahmen nicht unumstritten. Die Landessynode segnete aber im Jahr 2019 die Pläne einstimmig ab. Die Corona-Jahre haben die seit 2021 laufenden Abbruch- und Bauarbeiten dann verzögert.

Der bei der Evangelischen Landeskirche unter anderem für das Bauwesen und Umweltfragen zuständige Oberkirchenrat Christian Schuler sagt, dass laut aktueller Berechnungen  der  zusätzliche  CO2- Fußabdruck des Neubaus im Vergleich zu einer Sanierung der bisherigen Gebäude schon nach 15 Jahren vollständig ausgeglichen sein wird – wenn man berücksichtige, dass dafür auch Altbauten an anderen Standorten aufgegeben werden. Dies habe auch von der Klimabilanz her den Abbruch der alten Gebäude gerechtfertigt, sagt Oberkirchenrat Schuler: »Da waren beispielsweise Heizungsrohre an der Außenwand. Das hätten Sie ohne einen Abbruch nicht sanieren können.«

Nicht nur eine Photovoltaikanlage sorgt für Energie. Auch die Luftwärme wird genutzt. Und es gibt einen »Eisspeicher« genannten, 900 Kubikmeter umfassenden Wasserbehälter. Wärmetauscher nutzen die im Wasser gespeicherte Energie, um im Winter das Gebäude energieeffizient zu heizen. Als die Gebäude geplant wurden, war dies in Stuttgart ein Pionierprojekt.

Eine Klimaanlage gibt es nicht. Stattdessen sollen in den Decken verlegte Rohre mit einer Kühlflüssigkeit dafür sorgen, dass sich die Büros nicht zu sehr aufheizen. Auch die Isolierung ist viel besser als in den alten Gebäuden. Die Fenster werden aber weiterhin zu öffnen sein. Statt Einzelbüros wird es in den neuen Gebäuden gemeinschaftliche Büroflächen geben. Im Vergleich zu den früheren Gebäuden können künftig 363 Arbeitsplätze statt 246 untergebracht werden. Zusätzliche Mitarbeiter werden von bisherigen Standorten zusammengezogen.

Die Anwohner würden aber tendenziell entlastet, sagt Schuler: »Die früheren Gebäude standen als Querriegel auf dem Gelände – nun ist das Ensemble aufgelockert.« Die jetzt in Berg-Tal-Richtung gedrehten Baukörper schaffen nicht nur eine Frischluftschneise, sondern erlauben auch Durchgänge für Passanten. Die neue, größere Tiefgarage soll die bisher für einen Teil der Mitarbeiter notwendige Suche nach einem Parkplatz im Wohngebiet überflüssig machen. »Im Übrigen kommen bei uns sehr viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit dem öffentlichen Nahverkehr zur Arbeit – das steckt bei uns einfach in der DNA«, sagt Oberkirchenrat Schuler.

Betonkreuz an der Wand

Und auch für einen sinkenden, eigenen Bedarf hat man vorgebaut – etwa durch die Möglichkeit, die Büros mit beweglichen Zwischenwänden flexibel zu gestalten. Einzelne Büroflächen ließen sich so extern vermieten. Doch das ist zurzeit nicht aktuell.

Bei einem Gebäudeteil neben dem Haupteingang hat man nicht gespart. Statt eines schlichten Andachtsraums wie bisher gibt es nun eine Kapelle mit etwa 80 bis 100 Sitzplätzen. Innen und außen wird sie von einem Betonkreuz an der Wand markiert. Für die sakrale Atmosphäre wird hier nicht nur ein Altar sorgen. Neun jeweils 4,5 Meter hohe, vom Boden bis zur Decke reichende, farbige Glasfenster mit bildlichen Darstellungen werden den Raum in ein besonderes Licht tauchen.

Diese Fenster werden auch von der Straße aus zu sehen sein. Sie sollen zeigen, dass die Verwaltungszentrale einer Kirche etwas anderes ist als ein gewöhnliches Bürozentrum. Doch auch hier zieht der Fortschritt ein: »Da auch bei uns immer mehr Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten, wird es auch eine Videoanlage geben, mit der man dann auch von dort an den Andachten teilnehmen kann«, sagt Oberkirchenrat Schuler. (GEA)