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Aktuell Kommentar

Berlins Bürgermeister spielt Tennis in Krise: Grundlose Skandalisierung

Warum GEA-Redakteur Ulrich Häring die ungezügelte Lust an der Skandalisierung jedes noch so unbedeutenden Verhaltens von Politikern gehörig auf die Nerven geht.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner (CDU), wird angefeindet, weil er während des Blackouts eine Stunde Tennis mi
Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner (CDU), wird angefeindet, weil er während des Blackouts eine Stunde Tennis mit seiner Frau gespielt hat. Foto: Jens Kalaene/dpa
Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner (CDU), wird angefeindet, weil er während des Blackouts eine Stunde Tennis mit seiner Frau gespielt hat.
Foto: Jens Kalaene/dpa

REUTLINGEN. Weil es Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner gewagt hat, während des von Terroristen verursachten Stromausfalls in weiten Teilen der Hauptstadt für eine Stunde mit seiner Frau Tennis zu spielen, um »den Kopf frei zu bekommen«, wird ihm nun von verschiedenen Seiten Pflichtvergessenheit unterstellt. Konkrete Fehler in der Krisenbewältigung, die durch eine Stunde Mehrarbeit Wegners hätten vermieden werden können, werden jedoch nicht angeführt. Eine Arbeitsunterbrechung während der Krise in der Länge einer ganz gewöhnlichen Mittagspause scheint heute schon zu genügen, um einen medialen Aufschrei zu provozieren. Armes Deutschland.

Vorwürfe statt Anerkennung

Linke Terroristen hatten einen Anschlag auf die Energiewirtschaft verübt, die sie zum Sündenbock für die Klimakrise auserkoren hatten. Die Leidtragenden waren jedoch Zehntausende Berliner, die bei klirrender Kälte tagelang ohne Strom und Heizung auskommen mussten. Am meisten litten die schwächsten der Gesellschaft: Kinder, Alte und Kranke. Das dadurch entstandene Chaos unter Kontrolle zu bringen, war für die Stadtverwaltung eine enorme Herausforderung. Tatsächlich gelang es sogar schneller als erwartet, die Stromversorgung wiederherzustellen. Doch statt Lob und Anerkennung hagelt es nun Vorwürfe.

Pausen sind wichtig

Auch oder vielleicht gerade in Krisenzeiten ist es wichtig, sich kleine Freiräume zu schaffen, um für die herausfordernden Aufgaben Kraft zu schöpfen und seine beste Leistung abzurufen. Ein Stündchen Bewegung an der frischen Luft kann da Wunder wirken. Wer jedoch meint, Politiker seien der Presse für jede noch so kleine Pause Rechenschaft schuldig, der fordert bald wohl Ad-hoc-Mitteilungen für den Toilettengang. Wenn wir nicht aufpassen, will bald niemand mehr, der über etwas Verstand verfügt, in diesem Land Verantwortung übernehmen.

ulrich.haering@gea.de