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Böllerdebatte: Man kann nicht alles verbieten

Gea-Redakteur Martin Zimmermann wirbt für einen maßvollen Umgang mit Feuerwerk, statt ein Verbot zu fordern.

Landesbezirksvorsitzender GdP Berlin übergibt auf der Innenministerkonferenz eine Böllerverbot-Petition.
Landesbezirksvorsitzender GdP Berlin übergibt auf der Innenministerkonferenz eine Böllerverbot-Petition. Foto: Sina Schuldt/dpa/Sina Schuldt/dpa
Landesbezirksvorsitzender GdP Berlin übergibt auf der Innenministerkonferenz eine Böllerverbot-Petition.
Foto: Sina Schuldt/dpa/Sina Schuldt/dpa

REUTLINGEN. Tierschützer, Polizeigewerkschafter und Ärztevertreter fordern gemeinsam ein Verkaufsverbot für Silvesterböller. Ein Argument dabei sind die Angriffe mit Feuerwerkskörpern auf Polizisten und Rettungskräfte in Berlin und die schweren Verletzungen mit illegalen Silvesterraketen. Auch dass sich Haustiere erschrecken, wird als Argument für ein Verbot genannt.

Doch bei genauem Hinsehen sind einige der Argumente der Feuerwerksgegner abenteuerlich. Denn Angriffe auf Polizisten und Rettungskräfte sind bereits verboten und werden auch juristisch verfolgt – egal ob sie mit Ziegelsteinen, Molotow-Cocktails oder Silvester-Raketen erfolgen. Und niemand würde ein Verbot von Ziegelsteinen, Hämmern oder leeren Flaschen fordern, weil sie zu Waffen gegen Polizisten werden könnten. Auch Verletzungen mit illegalen Feuerwerkskörpern taugen nicht als Argument für ein Verbot, denn auch sie sind bereits illegal. Es bleiben andere Gründe wie der Feinstaub, der Müll oder der Tierschutz, warum es vernünftig wäre, auf das Böllern zu verzichten. Andererseits wäre es auch vernünftig an Silvester auf Alkohol zu verzichten – Ärzte und Polizisten würden sicherlich bestätigen, dass der übermäßige Genuss von Alkohol zu Gewalt und Gesundheitsgefährdungen führen kann. Dennoch fordert derzeit niemand ein Alkoholverkaufsverbot, denn das hat sich in den USA als politischer Irrweg und Konjunkturprogramm für die Mafia erwiesen.

Besser als über Verbote zu diskutieren, wäre es, eine Kultur des maßvollen Umgangs mit Feuerwerk zu etablieren. Organisierte Feuerwerke, die von Fachleuten gezündet werden, wären wohl eine schönere und sicherere Alternative zu Feuerwerkskörpern, die mitunter von betrunkenen halbstarken Amateuren abgebrannt werden.

martin.zimmermann@gea.de