REUTLINGEN. Grünen-Sozialexperte Timon Dzienus und Linken-Chef Jan van Aken fordern einen Ausgleich für Feiertage, die Arbeitnehmern keinen freien Tag bescheren, weil sie auf ein Wochenende fallen. Wer angesichts von strukturellen Problemen und schwacher Konjunktur derartige Forderungen erhebt, die die strauchelnden deutschen Unternehmen noch weiter belasten, verkennt offenbar der Ernst der Lage und befindet sich wirtschaftspolitisch auf dem Holzweg.
Starke Auswirkung auf Wirtschaftswachstum
Es gibt nun mal Jahre, in denen die gesetzlichen Feiertage günstig liegen und zum verlängerten Wochenende oder zum Brückentag einladen und es gibt Jahre in denen den Arbeitnehmern der ein oder andere Feiertag flöten geht, weil er aufs Wochenende fällt. So war es schon immer und der allergrößte Teil der Bevölkerung hat sich daran gewöhnt. Und ja, im kommenden Jahr liegen die Feiertag mal wieder ungünstig, was im Schnitt zu 2,4 zusätzlichen Arbeitstagen im Vergleich zu 2025 führt. Man darf jedoch auch nicht außer Acht lassen, dass jeder zusätzliche Arbeitstag das Wirtschaftswachstum um etwa 0,1 Prozentpunkte oder 8,6 Milliarden Euro anhebt. Ohne diese kleinen Zusatzeffekt fiele das ohnehin magere prognostizierte Wachstum von 1,2 Prozent um ein Fünftel geringer aus.
Alle müssen Ärmel hochkrempeln und Opfer bringen
Trumps Zollpolitik, chinesische Überkapazitäten, demografiebedingter Fachkräftemangel und vom Klimawandel aufgezwungene Transformation stellen die deutsche Wirtschaft vor nie dagewesene Herausforderungen. Wer in dieser Situation die Meinung vertritt, eine zyklische Fluktuation der jährlichen Arbeitszeit um ein bis zwei Tage sei eine unzumutbare Belastung für die deutschen Arbeitnehmer, streut den Menschen Sand in die Augen. Wenn wir gleichzeitig das Klima und unsere Wettbewerbsfähigkeit bewahren wollen, werden wir alle die Ärmel hochkrempeln und auch das ein oder andere Opfer bringen müssen.

