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Aktuell Kommentar

Aus vom Verbrenner-Aus: Mogelpackung für den Klimaschutz

Die vorgesehenen Kompensationsmöglichkeiten für den fortlaufenden Verkauf von Verbrennern sind die reinste Augenwischerei, findet GEA-Redakteur Ulrich Häring.

Abgase strömen aus den Auspuffen von Verbrenner-Fahrzeugen. Die EU-Kommission hat ihre Vorschläge für mögliche Änderungen am Ver
Abgase strömen aus den Auspuffen von Verbrenner-Fahrzeugen. Die EU-Kommission hat ihre Vorschläge für mögliche Änderungen am Verbrenner-Aus vorgestellt. Foto: Robert Michael/dpa
Abgase strömen aus den Auspuffen von Verbrenner-Fahrzeugen. Die EU-Kommission hat ihre Vorschläge für mögliche Änderungen am Verbrenner-Aus vorgestellt.
Foto: Robert Michael/dpa

REUTLINGEN. Die EU-Kommission hat ihre Vorschläge zur Aufweichung des bereits beschlossenen Ausstiegs aus der Verbrenner-Technologie bekanntgegeben. Auch nach 2035 soll der Verkauf von Verbrennern in der EU erlaubt bleiben, vorausgesetzt die Hersteller kompensieren diesen Ausstoß etwa durch die Verwendung von klimafreundlichen Kraftstoffen oder grünem Stahl. Eine Mogelpackung zulasten unseres Planeten und künftiger Generationen.

Transformation belastet Wettbewerbsfähigkeit

Es ist natürlich besorgniserregend, zu sehen, wie die europäische Automobilindustrie in Schieflage geraten ist. Der Klimawandel zwingt die Menschheit in vielerlei Hinsicht zur Anpassung, will sie auch in Zukunft noch komfortabel auf dem Planeten leben. Die dafür notwendige tiefgreifende Transformation von Produktion und Mobilität wird von der Politik in Deutschland und der EU sicherlich ambitionierter angegangen als in anderen Teilen der Welt. Klimaneutrale Prozesse sind kostenintensiv, das belastet die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.

Augenwischerei mit Kompensation

Mit der Möglichkeit CO2-Ausstoß zu kompensieren, wird aber schon heute viel Augenwischerei betrieben. Grüner Stahl macht die Stahlindustrie klimaneutral, aus dem Auto kommen deswegen nicht weniger Abgase. Gleiches gilt für die meisten E-Fuels. Fängt man etwa den CO2-Ausstoß eines Zementwerkes ein, ist es nur klimaneutral, wenn das CO2 nicht in die Umwelt gelangt - beispielsweise durch verpressen im Meeresboden. Wenn man allerdings daraus E-Fuels herstellt und das CO2 durch den Auspuff eines Autos jagt und dann behauptet, sowohl das Auto als auch das Zementwerk seien klimaneutral, macht man den Menschen etwas vor. Und die Fieberkurve des Planeten steigt weiter.

ulrich.haering@gea.de