REUTLINGEN. Der Kalte Krieg scheint unbestreitbar wieder zurück zu sein. Nicht nur, dass es immer wieder Provokationen durch russisches Militär an der Ostgrenze zu Europa gibt. Nein, jetzt floriert auch wieder das Geschäft mit der Spionage. Dass dies in wenigen Jahren eine wahrhaftige Bedrohung in nicht geringem geworden ist, zeigt der jüngste Bericht des Militärischen Abschirmdienstes (kurz: MAD). Wenn sogar diejenigen lautstark warnen, die sich eigentlich lieber im Schatten bewegen, dann ist das ein echtes Alarmsignal, welches nicht ignoriert werden darf.
Als Erstes ist natürlich die Politik gefordert, denn sie muss nicht nur die Strukturen schaffen, dass die Republik und deren Bürger vor »hybriden oder letalen Operationen« geschützt sind. Die Politiker müssen selbst genau prüfen, wer sich in ihrem Umfeld befindet, um möglicherweise heikle Informationen abzugreifen. Einige mutmaßliche Spionagefälle werden ja bereits vor deutschen Gerichten verhandelt. Zudem schadet es nicht, dass die Wirtschaft für diese Bedrohungen von außerhalb sensibilisiert wird und so wichtige Forschung schützt. Und auch die Zivilgesellschaft ist immer gut beraten, Stimmungsmache kritisch zu prüfen, besonders wenn diese in unregulierten Sozialen Medien kursiert.
Vor einem sei aber deutlich gewarnt: Sensibel mit Informationen über Bedrohungen umzugehen ist eine Sache. Eine andere ist es, wenn sich daraus ein politisches oder gesellschaftliches Klima der Furcht und Vorurteile entwickelt, wie es während der McCarthy-Ära der 1950er Jahre in den USA grassierte.

