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Atomares Säbelrasseln: Was man jetzt wissen muss

Donald Trump hat mit Äußerungen über neue nukleare Waffentests Bewegung in das Thema nukleare Abschreckung gebracht. Darauf hat nun auch Kreml-Chef Wladimir Putin geantwortet. Doch wer hat heute wie viele Atomwaffen und welche Regelungen gelten laut Atomwaffensperrvertrag für Deutschland?

Ein Atompilz steigt nach einer Testexplosion auf dem Testgelände in Nevada am 24. Juni 1957 auf. Atomwaffentest sind wieder in d
Ein Atompilz steigt nach einer Testexplosion auf dem Testgelände in Nevada am 24. Juni 1957 auf. Atomwaffentest sind wieder in der Diskussion. Foto: Uncredited/energy department/ap/Uncredited/Energy Department/AP/
Ein Atompilz steigt nach einer Testexplosion auf dem Testgelände in Nevada am 24. Juni 1957 auf. Atomwaffentest sind wieder in der Diskussion.
Foto: Uncredited/energy department/ap/Uncredited/Energy Department/AP/

REUTLINGEN. US-Präsident Trump will Atomwaffen testen lassen. Mit dieser Ankündigung sorgte er vergangene Woche für Aufsehen. Dann beschwichtigte ein Minister. Jetzt bekräftigt Trump den Plan erneut und auch Kreml-Chef Wladimir Putin hat bereits auf die Äußerungen reagiert.

US-Präsident Donald Trump hat seine Ankündigung bekräftigt, erneut Atomwaffentests durchführen zu lassen. Der Republikaner sagte in einer Videobotschaft auf seiner Plattform Truth Social: »Dieser Prozess wird sofort beginnen.« Als Begründung führte Trump erneut an, dass andere Länder Testprogramme hätten und man daher auf gleicher Basis testen werde. Der US-Präsident hatte sich vor einer Woche bereits exakt so geäußert und damit weltweit für Aufsehen gesorgt, zumal es für den Test von Atomwaffen seit Jahrzehnten ein Moratorium gibt. Die USA hatten ihren letzten Test 1992 durchgeführt.

Am Mittwoch war bekanntgeworden, dass der russische Präsident Wladimir Putin seine Regierung anwies, die Zweckmäßigkeit möglicher Atomwaffentests zu prüfen. Putin beauftragte bei einer Sitzung des Sicherheitsrates die Ministerien für Verteidigung und Äußeres, die Geheimdienste, aber auch die zivilen Ministerien, dafür Informationen zu sammeln. Das ging aus der Kreml-Mitschrift der Sitzung hervor. Die Informationen sollten in Vorschläge für mögliche Vorbereitungen für Atomwaffentests münden, sagte Putin demnach.

Was genau die USA testen wollen, war nach Trumps ursprünglicher Ankündigung zunächst offen geblieben. Die Vermutung lag nahe, dass es eher um Tests von Trägerraketen und von anderen für die Atombomben nötigen Systeme gehen sollte. Am Wochenende stellte dann US-Energieminister Chris Wright klar, dass es keine nuklearen Explosionen geben solle. »Die Tests, über die wir gerade sprechen, sind Systemtests. Das sind keine nuklearen Explosionen.« Man werde neue Waffensysteme testen, sagte Wright. Sein Ministerium ist für viele Aspekte des nuklearen Arsenals zuständig.

Russland hatte seine nuklearen Drohungen zuletzt verstärkt. Er sprach auch von neuartigen Waffen wie der atomgetriebenen Langstreckenrakete Burewestnik und dem atomgetriebenen Torpedo Poseidon. Die Angaben über die Trägerraketen lösten im Ausland weniger Befürchtungen aus als frühere Kreml-Drohungen. Der russische Präsident Wladimir Putin hat seine Regierung angewiesen, die Zweckmäßigkeit möglicher Atomwaffentests zu prüfen. Bei einer Sitzung des Sicherheitsrates beauftragte er die Ministerien für Verteidigung und Äußeres, die Geheimdienste, aber auch die zivilen Ministerien, Informationen zu sammeln. Das geht aus der Mitschrift des Kremls von der Sitzung hervor. Diese Informationen sollten dann in Vorschläge für mögliche Vorbereitungen auf Atomwaffentests münden, sagte Putin.

Zugleich betonte der Kreml-Chef, dass Moskau sich immer an den Vertrag über das Verbot von Kernwaffenversuchen gehalten habe. Es werde sich auch weiter daran halten, solange andere Staaten keine Atomwaffen testen. »Wenn die USA oder andere Vertragsstaaten solche Versuche unternehmen, wird Russland seinerseits entsprechend antworten«, sagte er. Kremlsprecher Dmitri Peskow erläuterte der Nachrichtenagentur Tass zufolge, dass es nicht um einen direkten Testbeginn gehe. Putin lasse die Zweckmäßigkeit des Einstiegs in Vorbereitungen prüfen.

Wer hat die meisten Atomwaffen?

Laut amerikanischen Wissenschaftlern besitzt Russland immer noch die meisten Atomwaffen auf dem Planeten. Insgesamt belaufe sich die Zahl auf 5.580 von denen 1.710 einsatzfähig seien. Auf Rang zwei folgt Amerika mit rund 5.044 nuklearen Sprengköpfen, von denen 1.770 einsatzfähig, als auf Trägerraketen installiert, sind. Auf Platz 3 folgt dann China, mit rund 500 (Zahl der einsatzfähigen unbekannt und die ersten europäischen Länder Frankreich (290/280 einsatzfähig) und das Vereinigte Königreich (225/120). Insgesamt gibt es rund 12.500 nukleare Sprengköpfe auf der Welt. 9.500 befinden sich in militärischer Verwendung, der Rest ist zur Demontage vorgesehen.

Welches Land wurde die jüngste Atommacht?

Das letzte Land, das nachweislich Atomwaffen entwickelt und getestet hat und damit zur jüngsten Atommacht wurde, ist Nordkorea. Allerdings ist das Land im Sinne des Atomwaffensperrvertrags keine anerkannte Atommacht. Internationale Quellen gehen davon aus, dass das Land zwischen 50 und 60 atomare Sprengköpfe hergestellt hat, von denen möglicherweise einige auch schon einsatzbereit sein könnten. Der erste bekannte Atomtest in Nordkorea erfolgte 2006. Vor Nordkorea wurde Pakistan zur Atommacht.

Wie viele Länder weltweit besitzen Atomwaffen?

Weltweit besitzen neun Länder Atomwaffen. Fünf davon sind laut dem Atomwaffensperrvertrag offiziell anerkannte Atommächte: die USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien. Die anderen vier sind »De-facto«-Atommächte: Indien, Pakistan, Nordkorea und Israel. Israel hat weder bestätigt noch dementiert Atomwaffen zu besitzen. Unabhängige Experten gehen davon aus, dass das Land zwischen 80- und 90 atomare Sprengköpfe besitzt und mit der Produktion bereits in den 1960er Jahren startete. Offizielle Tests sind nicht bekannt. Ein geheimer Test im Südatlantik, der als Vela-Zwischenfall im Jahre 1979 bekannt wurde, war möglicherweise ein geheimer Test von Südafrika und Israel, die zu dieser Zeit in Sachen atomarer Forschung kooperiert haben sollen.

Warum hat Deutschland keine Atomwaffen?

Deutschland ist seit 1975 Mitglied im Atomwaffensperrvertrag. Dieser unterscheidet zwischen Atomwaffenstaaten und Nicht-Atomwaffenstaaten. Letztere haben sich dazu verpflichtet, keine Atomwaffen zu entwickeln, zu bauen, zu kaufen oder von anderen Staaten anzunehmen. Sie dürfen jedoch zivile Nukleartechnologie unter der Kontrolle der Internationalen Atomaufsichtsbehörde nutzen. Ferner wird im Zwei-Plus-Vier-Vertrag (Wiedervereinigungsvereinbarung 1990) festgelegt, dass das wiedervereinigte Deutschland keine Atomwaffen besitzen wird. Technisch hätte Deutschland die Möglichkeiten Nuklearwaffen zu bauen.

Gibt es trotzdem Atomwaffen in Deutschland?

In Rheinland-Pfalz lagern Atomwaffen. Diese gehören den US-amerikanischen Streitkräften und sind dort im Rahmen der Nato-Abschreckungsstrategie platziert. Im Ernstfall könnten sie laut der »nuklearen Teilhabe der Nato« durch deutsche Militärflugzeuge eingesetzt werden.

Was ist die nukleare Teilhabe der Nato?

Die nukleare Teilhabe (nuclear sharing) ist ein NATO-Konzept, bei dem nicht-atomare NATO-Mitglieder in die Planung, Vorbereitung und im Ernstfall die Ausführung nuklearer Einsätze eingebunden werden, obwohl die Atomwaffen formell einem Nuklearmacht-Mitglied (den USA) gehören. Im Einsatzfall würde eine politische Entscheidung der NATO die Freigabe auslösen; dann käme ein sogenanntes »dual key«-System zum Tragen: sowohl die USA als auch der Einsatzstaat haben Mitbestimmung. (GEA)