REUTLINGEN. Baschar Al-Assads Vater Hafiz putschte sich einst nach der katastrophalen Niederlage Syriens gegen Israel im Sechs-Tage-Krieg an die Macht. Im Gegensatz zu einem Vorgänger verhandelte Hafiz Al-Assad -wie auch sein Sohn Baschar - mit Israel. Sie erlaubten dem Iran jedoch, durch ihr Land Waffen an die Hisbollah-Miliz im Libanon zu liefern. Damit ist es nun vorbei.
Für die Mullahs ist Assads Sturz eine Katastrophe. Denn Syrien war der einzige staatliche Akteur in Irans »Achse des Widerstands« gegen Israel. Teheran wird es nun deutlich schwerer fallen, die Hisbollah mit Waffen gegen Israel zu versorgen. Benjamin Netanjahu hat mit seinem Krieg viele Anführer der Hisbollah getötet. Durch den Sturz Assads verliert die Miliz nun auch noch der Nachschubroute. Zusätzlich sind Israels Truppen unter Bruch eines Abkommens in die Pufferzone auf den eigentlich syrischen Golanhöhen vorgerückt. Der zweite Gewinner des Assad-Sturzes ist die Türkei, die über verbündete Milizen in Nordsyrien gegen die Kurden vorgeht und dort eine Art Pufferzone gegen die kurdische PKK errichtet.
Der Verlierer des Assad-Sturzes sind die Mullahs in Teheran. Sie pumpten - gemeinsam mit Russland - über Jahre Ressourcen in ein Regime, dass nun innerhalb von Tagen zusammenfiel. Die iranische »Achse des Widerstands« existiert nur noch auf dem Papier. Es bleibt abzuwarten, ob sich das schiitisch-fundamentalistische Regime nach dieser außenpolitischen Niederlage halten kann. Denn einige Diktaturen zerbrachen an außenpolitische Niederlagen - etwa die griechischen Obristen 1974 nach der Zypern-Krise und die argentinischenJunta 1982 nach der Niederlage auf den Falklands.

