Zwei Nationalgardisten werden in Washington niedergeschossen, und Donald Trump braucht nur Sekunden, um aus der Tat politische Munition zu machen. Noch bevor Motiv und Hintergründe geklärt sind, spricht er von Terror, nennt den mutmaßlichen afghanischen Täter ein »Tier« und kündigt an, alle Afghanen aus der Biden-Zeit zu überprüfen. Ein schreckliches Verbrechen wird zum Kampagneninstrument, die Opfer müssen herhalten für eine Agenda, die längst bereitliegt.
Trump inszeniert sich dabei als entschlossener Beschützer der Nation. Weitere 500 Nationalgardisten sollen in eine Hauptstadt verlegt werden. Dabei ist der Einsatz der Truppen im Inland rechtlich hoch umstritten. Es geht weniger um Sicherheit als um Bilder: Uniformen, Barrikaden, Alarmstufe Rot. Eine Bühne, auf der der starke Mann zeigt, dass er sich nicht bremsen lässt, sondern sich unerschrocken und mit allen Mitteln dem vermeintlich Bösen entgegenstellt. Notfalls auch außerhalb des geltenden Rechts. Wer einen Verdächtigen entmenschlicht, senkt die Hemmschwelle für drastische Maßnahmen bewusst.
Gewiss: Eine Demokratie braucht entschlossene Gefahrenabwehr – aber sie braucht ebenso dringend Politiker, die den Unterschied kennen zwischen Schutz der Bürger und zynischer Ausschlachtung einer Bluttat.

