Die Aktivisten, die gegen die Gründung der AfD-Jugendorganisation »Generation Deutschland« in Gießen protestiert haben, freuen sich über ihren angeblichen Erfolg. Doch zufrieden können vor allem jene sein, gegen die sich ihre Demonstrationen richteten. Wer im Kampf gegen Extremismus selbst zu extremen Mitteln greift, liefert genau die Bilder, mit denen sich die AfD als Opfer einer feindlichen Gesellschaft inszenieren kann. Eine Steilvorlage, die der Partei mehr nützt als schadet. Jedes Bild von Gewaltexzessen, von verletzten Polizisten oder AfD-Leuten festigt den Mythos der Rechtsaußen-Partei, verbotene Wahrheiten auszusprechen.
Sie ist einen für sie wichtigen Schritt gegangen, um sich weiter zu professionalisieren: Mit ihrer neuen Kaderschmiede für Funktionäre in spe bereitet sie sich auf künftige Regierungsübernahmen vor. Die Frage ist, ob es der Parteiführung auf Dauer gelingt, den Nachwuchs an die Kandare zu nehmen und daran zu hindern, völlig nach rechts abzudriften und Argumente für ein AfD-Verbot zu liefern. Gießen hat gezeigt, dass das Radikalisierungspotenzial erheblich ist.
Die Ereignisse von Gießen lassen erahnen, was Deutschland blüht, wenn Radikalisierung und Gegenradikalisierung weiter eskalieren und es tatsächlich irgendwann eine AfD-Regierung geben sollte. Dann träfe ein gefestigter, junger Kader auf eine Gesellschaft, die zunehmend verlernt, Konflikte im produktiven Streit und demokratischen Diskurs auszutragen. Die Gründung von »Generation Deutschland« ist daher ein Warnsignal. Die Zivilgesellschaft muss sich deutlicher denn je fragen, wie entschlossener, aber demokratischer Widerspruch gegen Feinde der offenen Gesellschaft gelingt, ohne sich selbst der Mittel des Extremismus zu bedienen. (GEA)

