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Abschiebung nach Afghanistan: Man muss auch mit Despoten reden

Warum GEA-Redakteur Ulrich Häring denkt, dass man sich als Bundesregierung seine Gesprächspartner nicht immer aussuchen kann.

Taliban-Kämpfer feiern den dritten Jahrestag des Abzugs der US-geführten Truppen aus Afghanistan. Die Taliban werden als Terrorg
Taliban-Kämpfer feiern den dritten Jahrestag des Abzugs der US-geführten Truppen aus Afghanistan. Die Taliban werden als Terrorgruppe eingestuft. Nun sollen aber wohl auch direkte Gespräche mit den Herrschern von Afghanistan stattfinden. Foto: Siddiqullah Alizai/ap/Siddiqullah Alizai/AP/dpa
Taliban-Kämpfer feiern den dritten Jahrestag des Abzugs der US-geführten Truppen aus Afghanistan. Die Taliban werden als Terrorgruppe eingestuft. Nun sollen aber wohl auch direkte Gespräche mit den Herrschern von Afghanistan stattfinden.
Foto: Siddiqullah Alizai/ap/Siddiqullah Alizai/AP/dpa

REUTLINGEN. Das Flugzeug bringt 81 schwer kriminelle Afghanen zurück in ihr Herkunftsland. Darunter Mörder, Vergewaltiger und Gewalttäter. Die Rückführung wurde mithilfe von Katar in die Wege geleitet. Bislang scheut die Bundesregierung den direkten Kontakt zu den Taliban, die als Terrororganisation eingestuft werden. Künftig will Innenminister Dobrindt solche Abschiebungen auch ohne »strategische Partner« vornehmen. Das ist verständlich.

Menschenrechte sind keine Selbstverständlichkeit

Dass die Taliban für einen fundamentalistischen Steinzeit-Islam stehen, der die Rechte von Frauen und Minderheiten mit Füßen tritt steht außer Frage. Doch das tun die Regierungen anderer Länder auch. In Saudi-Arabien dürfen Frauen nur vollverschleiert das Haus verlassen, und in Uganda werden Homosexuelle hingerichtet. Menschenrechte sind weltweit keine Selbstverständlichkeit. Natürlich sollte Deutschland einem solchen Regime nicht durch die Aufnahme formeller diplomatischer Beziehungen zu Legitimität verhelfen. Aber die Taliban herrschen nun mal in Afghanistan, ob wir mit ihnen reden oder nicht.

Politik kann sich Gesprächspartner nicht aussuchen

In der Politik kann man sich seine Gesprächspartner leider nicht immer aussuchen. Um die Interessen des eigenen Landes zu wahren, müssen sich unsere Volksvertreter auch mit Autokraten, Fundamentalisten und Populisten an einen Tisch setzen - auch wenn es manchmal schmerzt. Die Mehrheit der Deutschen hat mittlerweile kein Verständnis mehr dafür, dass Schwerverbrecher sich hier auf Staatskosten ein schönes Leben machen. Deutschland muss wieder die Kontrolle darüber erlangen, wer in seinen Grenzen leben darf - und wer nicht. Gelingt dies nicht, müssen wir fürchten, bald selbst von Autokraten und Populisten regiert zu werden.