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Verurteilter Cannes-Regisseur Rassulof aus Iran geflohen

Der iranische Regisseur gilt als kritischer Filmemacher, kürzlich wurde er zu Haft verurteilt. Nun hat er sein Heimatland heimlich verlassen - und könnte zum Filmfest Cannes kommen.

Mohammed Rassulof
Mohammed Rassulof im Jahr 2013 beim Filmfestival in Cannes. Foto: Sebastien Nogier/DPA
Mohammed Rassulof im Jahr 2013 beim Filmfestival in Cannes.
Foto: Sebastien Nogier/DPA

Der iranische Regisseur Mohammed Rassulof, der zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden ist, hat sein Heimatland unerlaubt verlassen. Das teilte die Agentur seines neuen Films mit. Rassulof ist zu den Filmfestspielen von Cannes eingeladen, die am Dienstag beginnen. Dort läuft sein neuer Film im Wettbewerb um die Goldene Palme. Die Filmagentur schrieb, es sei noch unklar, ob er nach Cannes kommen könne, um seinen Film »The Seed of the Sacred Fig« persönlich zu präsentieren. Die Premiere des Films ist für den 24. Mai geplant.

»Schweren Herzens entschied ich mich für das Exil«

Die Nachricht von seiner heimlichen Ausreise kommt kurz nach seiner Verurteilung zu acht Jahren Gefängnis und Peitschenhieben. Vor gut einem Jahr war Rassulof erneut mit einem Ausreiseverbot belegt worden. Damit sollte damals laut Aktivisten eine Teilnahme des Regisseurs an den Filmfestspielen von Cannes verhindert werden. Rassulof, der 2020 den Goldenen Bären der Berlinale für seinen Film »Es gibt kein Böses« erhalten hatte, gilt im Land als äußerst kritischer Filmemacher. 

»Ich bin vor einigen Tagen nach einer langen und komplizierten Reise in Europa angekommen«, zitierte die Agentur ein Statement Rassulofs. »Ich hatte nicht viel Zeit, um eine Entscheidung zu treffen. Ich musste zwischen dem Gefängnis und der Ausreise aus dem Iran wählen. Schweren Herzens entschied ich mich für das Exil. Die Islamische Republik beschlagnahmte im September 2017 meinen Reisepass. Daher musste ich den Iran heimlich verlassen.« 

Auch auf Rassulofs Instagram-Seite wurde die Ausreise bestätigt, die mit großer Kritik am iranischen Staat einherging. »Wenn der geografische Iran unter den Stiefeln Eurer religiösen Tyrannei leidet, so ist der kulturelle Iran in den Köpfen von Millionen Iranern am Leben«, hieß es dort. Am Sonntag hatte Irans Kulturminister Mohammed-Mehdi Esmaeili die Produktion seines neuen Films kritisiert. Diese sei ein »klarer Verstoß«, sagte der Minister, der wegen der Repressionen gegen iranische Künstler auch mit EU-Sanktionen belegt ist. 

Filmteam im Iran bedroht

Der Filmemacher berichtete davon, wie sehr sein Filmteam im Iran unter Druck gesetzt und bedroht worden sei. »Bevor die Geheimdienste der Islamischen Republik über die Produktion meines Films informiert wurden, konnten einige der Schauspieler den Iran verlassen. Viele der Schauspieler und Agenten des Films befinden sich jedoch noch im Iran und werden vom Geheimdienst unter Druck gesetzt. Sie wurden langwierigen Verhören unterzogen. Die Familien einiger von ihnen wurden vorgeladen und bedroht. Wegen ihres Auftritts in diesem Film wurden Gerichtsverfahren gegen sie eingeleitet, und es wurde ihnen verboten, das Land zu verlassen.«

Weiter führte Rassulof aus: »Sie stürmten das Büro des Kameramanns, und seine gesamte Arbeitsausrüstung wurde beschlagnahmt. Sie hinderten auch den Tontechniker des Films daran, nach Kanada zu reisen. Während der Verhöre der Filmcrew forderten die Geheimdienstler sie auf, mich unter Druck zu setzen, damit ich den Film vom Festival in Cannes zurückziehe. Sie versuchten, die Filmcrew davon zu überzeugen, dass sie die Geschichte des Films nicht kannte und dass sie zur Teilnahme an dem Projekt manipuliert worden war.«

© dpa-infocom, dpa:240513-99-18903/2