KÖLN. Die Titelrolle von Philipp Stölzls Romanverfilmung »Der Medicus« bedeutete 2013 den Durchbruch für den britischen Schauspieler Tom Payne. Weitere Bekanntheit erlangte der 43-Jährige als Paul »Jesus« Rovia in mehreren Staffeln des Serienhits »The Walking Dead« und als Protagonist Malcolm Bright in den zwei Staffeln von »Prodigal Son«. Nun wird die Geschichte des Medicus weitergesponnen. Kinostart für »Der Medicus 2« ist der 25. Dezember.
GEA: »Der Medicus« war Ihre erste Hauptrolle. Mit welchen Gefühlen denken Sie an diese Arbeit zurück?
Tom Payne: Ich bin ziemlich stolz auf den ersten Film. Es war eine Menge Arbeit, wir haben über 60 Tage lang gedreht. Und es war das erste Mal, dass ich die Hauptrolle hatte. Ich glaube, meine Jugend hat mich dabei unterstützt. Ich war Ende 20 und hatte noch viel jugendliches Selbstvertrauen. Es gab einen Punkt während der Produktion, an dem ich etwas überstrapaziert war, weil ich immer Tag und Nacht gearbeitet habe. Irgendwann musste ich mir sagen: Okay, ich muss einen Gang runterschalten. Aber ich finde, wir haben einen großartigen Film gemacht und ich habe gehört, dass er immer noch im deutschen Fernsehen läuft, was fantastisch ist. Ich schätze mich sehr glücklich, dass ich diese Figur jetzt wieder aufgreifen kann, wo ich mich in einer ganz anderen Lebensphase befinde. Ich war froh, dass ich das wieder mit Philipp Stölzl machen konnte.
Hat Ihnen der Gedanke sofort gefallen, Rob Cole ein Stück weiter auf seiner Reise zu begleiten?
Payne: Ja. Es war so schön für uns, wieder zusammenzufinden, diese Figur neu zu entdecken und eine ganz neue Geschichte zu erzählen. Beim ersten Film haben wir eine lange Version fürs Fernsehen gedreht, die dann für den Kinofilm gekürzt wurde. In diesem Fall war es anders, da wir nur diesen Film drehten. Wir konnten etwas konstruieren, das nicht ganz so lang ist, und wir hatten Freiheit mit der Geschichte, die wir erzählen wollten.
Im Film beschäftigt sich Rob mit der Wechselwirkung von Körper und Geist. Ist das ein Thema, das Sie auch persönlich interessiert?
Payne: Ja, auf jeden Fall. Ich finde es toll, dass wir uns vom Physischen im ersten Film zum Geist und zum Gefühlsleben der Figur in diesem Film bewegt haben. Das passt sehr gut dazu, dass insbesondere Männer zunehmend diese Seite ihrer selbst verstehen lernen. Es ist nicht gut, einfach die Tür zu etwas zu schließen und sich nicht damit auseinanderzusetzen; damit wird es nur verdrängt und kommt später wieder hoch. Ich habe jetzt Kinder. Wenn man Kinder hat, kommen Dinge aus der eigenen Kindheit hoch, mit denen man nicht gerechnet hat.
Inwiefern?
Payne: Manche Dinge ergeben plötzlich Sinn, zum Beispiel, warum man so ist, wie man ist, oder warum man bestimmte Gefühle hat. Als ich diesen Film gedreht habe, kamen einige dieser Dinge bei mir hoch, und einiges davon spiegelt sich in meiner Darstellung wider. Während der Dreharbeiten war ich emotional sehr bewegt. Es ist wirklich wichtig, sich selbst dabei zu helfen, im Leben voranzukommen. Für sich selbst, aber auch für die Menschen um einen herum. Man sollte sich ständig selbst hinterfragen und darüber nachdenken, warum man bestimmte Gefühle hat. Warum macht dich etwas wütend oder warum macht es dich traurig? Meistens kommt es von dir selbst. Du machst dich selbst wütend. Du entscheidest dich dafür, wütend zu sein. Es ist wirklich wichtig, diese Dinge zu verstehen. Ich finde es toll, dass wir in dem Film einen Mann zeigen, der zu kämpfen hat. Mit Morrigans Hilfe stellt er sich dieser Herausforderung. Aber er versteht auch, dass es ein fortlaufender Prozess ist. Es ist nicht so, dass man sagt: Oh, jetzt habe ich das geschafft und kann weitermachen. Man sollte immer an sich selbst arbeiten.
Die als Hexe verschriene alte Dame im Film nutzt auch gewisse bewusstseinserweiternde Substanzen. In Deutschland sind weiche Drogen seit Kurzem freigegeben. Finden Sie das gut oder sehen Sie das kritisch?
Payne: Das ist interessant, denn früher war ich der Meinung, dass man einfach alles legalisieren sollte. Aber ich verstehe, dass das sehr schlecht enden könnte. Alkohol ist schon seit so langer Zeit legalisiert, doch Alkohol ist tatsächlich gefährlicher als viele der weicheren Drogen, die kürzlich legalisiert wurden. Alles in Maßen und mit dem Verständnis, wohin es einen führen kann. Als ich aufwuchs, habe ich außer Alkohol keine Drogen genommen. Ich war emotional sehr durcheinander, wegen Dingen, die mir in meiner Jugend widerfahren sind. Heute verstehe ich das, aber damals habe ich es nicht verstanden. Wenn man Menschen Drogen gibt, die ungelöste Probleme haben, kann das zu Komplikationen führen. Genauso wie ich immer gesagt habe, dass wir anfangen müssen, uns selbst neu zu bewerten und herauszufordern, müssen wir das auch tun, um mit diesen verschiedenen Freizeitdrogen umgehen zu können. In Amerika gibt es derzeit viele Menschen, die Pilze in Mikrodosen einnehmen, was eine völlig andere Droge ist als beispielsweise Marihuana. Es sollte mehr Forschung zu diesen Dingen geben, denn sowohl Marihuana als auch Pilze haben definitiv Vorteile.
Warum probieren Menschen diese Dinge aus?
Payne: Weil sie den Pharmaunternehmen nicht vertrauen. Sie möchten einen sanfteren Weg gehen oder sich auf eine Weise öffnen, bei der es nicht darum geht, eine Pille zu nehmen. Vertrauen Sie Ärzten?
Payne: (lacht) Ja, das tue ich. Aber ich würde immer meine eigenen Nachforschungen anstellen. Wir haben jetzt drei Kinder. Ich vertraute nicht unbedingt darauf, dass die Ärzte meine Frau keinem unnötigen Kaiserschnitt unterziehen würden. Also hatten wir eine Doula, eine Person, die kommt und dich während der Geburt und nach der Geburt berät, was wunderbar war. Einer der Gründe dafür war, jemanden im Raum zu haben, den ich fragen konnte, ob sie wirklich einen Kaiserschnitt bräuchte, falls der Arzt einen durchführen wollte. Wir hatten einen Sohn und dann Zwillinge. Die meisten Ärzte würden bei Zwillingen sofort einen Kaiserschnitt durchführen. Unsere beiden Zwillinge kamen sogar mit den Füßen voran zur Welt. Wir fanden den einzigen Arzt in L.A., der bereit war, sie auf diese Weise zu entbinden. Was passierte dann?
Payne: Beide kamen ohne Kaiserschnitt zur Welt. Sie hätte also eine völlig unnötige Operation gehabt. Das Problem ist, dass die Ärzte das nicht mehr lehren. Sie haben zu viel Angst vor Klagen und all diesen Dingen. Deshalb vertraue ich Ärzten bis zu einem gewissen Grad. Ich weiß, dass sie über viele verschiedene Dinge viel mehr wissen als ich. Deshalb werde ich immer den Rat eines Mediziners einholen, bevor ich meine eigene Entscheidung treffe. (GEA)
»Der Medicus 2«: ab 25. Dezember in den Kinos
ZUR PERSON
Thomas »Tom« Payne, geboren 1982 in Chelmsford, Essex, ist ein britischer Schauspieler. Er ist bekannt durch die Rolle von Paul »Jesus« Rovia in der Fernsehserie »The Walking Dead«. Von 2019 bis 2021 war er in der Rolle von Malcolm Bright in der Serie »Prodigal Son« zu sehen, 2024 im Kino im Horror-Thriller »Imaginary«. (GEA)

