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Musikwelt trauert um Fleetwood-Mac-Musikerin Christine McVie

Sie stieg als Keyboarderin ein, bevor aus Fleetwood Mac eine der erfolgreichsten Pop- und Rockgruppen der Geschichte wurde. Als Sängerin und Songwriterin prägte McVie den Sound der Band maßgeblich.

Fleedwood Mac-Sängerin Christine McVie
Christine McVie von der Band Fleetwood Mac tritt im Madison Square Garden auf. Die britische Sängerin und Songwriterin ist tot. Foto: Charles Sykes
Christine McVie von der Band Fleetwood Mac tritt im Madison Square Garden auf. Die britische Sängerin und Songwriterin ist tot.
Foto: Charles Sykes

Für ihre Bandkollegen bei Fleetwood Mac kam der Tod von Sängerin, Songwriterin und Keyboarderin Christine McVie völlig überraschend. »Ich wusste noch nicht einmal, dass sie krank war ... bis zum späten Samstagabend«, schrieb Sängerin Stevie Nicks in einem handgeschriebenen Brief, den die 74-Jährige in sozialen Medien veröffentlichte. »Ich wollte nach London kommen, aber man hat uns gesagt, wir sollen warten.«

Am Mittwoch teilten Fleetwood Mac mit, dass Christine McVie gestorben ist. Die Nachrichtenagentur PA zitierte ein Statement der Familie, wonach sie am Mittwochmorgen »nach kurzer Krankheit im Krankenhaus friedlich eingeschlafen« sei, im Kreis ihrer Familie. Die britische Musikerin wurde 79 Jahre alt. Die genaue Todesursache wurde nicht bekannt.

»Es gibt keine Worte, die unsere Trauer über ihren Tod beschreiben können«, heißt es in einem Statement der erfolgreichen Supergroup, die in den 70er und 80er Jahren unzählige Hits hatte. Viele stammen aus McVies Feder und wurden von ihr gesungen, darunter zeitlose Popklassiker wie »Don't Stop«, »You Make Loving Fun«, »Little Lies« oder »Everywhere«. »Sie war die beste Musikerin, die sich eine Band wünschen kann, und die beste Freundin, die man im Leben haben kann«, teilten Fleetwood Mac auf den offiziellen Bandkanälen bei Twitter, Facebook und Instagram mit.

Auch ehemaliger US-Präsident betrübt

»Ein Teil meines Herzens ist heute weggeflogen«, schrieb Mick Fleetwood (75), der die Band in den späten 60er Jahren in London mit anderen Musikern gegründet hatte, auf Twitter. »Ich werde alles an dir vermissen, Christine McVie.« Sogar der frühere US-Präsident Bill Clinton meldete sich zu Wort. »Ich bin betrübt über den Tod von Christine McVie«, twitterte der 76-Jährige. Er sei McVie dankbar, dass er ihr Lied »Don't Stop« bei seinem Wahlkampf im Jahr 1992 habe spielen dürfen. »Ich werde sie vermissen.«

Unzählige Stars zollten ihr Tribut. »Ihre Musik war und wird immer ein Geschenk für die Welt bleiben«, teilte die Rockband Eagles im US-Magazin »Variety« mit. Bassist John Taylor von Duran Duran würdigte McVie als »eine der größten Songwriterinnen, Sängerinnen und Bandmitglieder aller Zeiten«. Sheryl Crow nannte sie auf Twitter »eine Legende und eine Ikone und einen unglaublichen Menschen«. Pop-Superstar Harry Styles, bekennender Fleetwood-Mac-Fan, teilte auf Instagram ein Schwarz-Weiß-Foto der Sängerin und ein schwarzes Herz.

Christine McVie war am 12. Juli 1943 in Cumbria/Lancashire als Christine Anne Perfect geboren worden. Als Christine Perfect veröffentlichte die Britin ein Soloalbum. Vor ihrer Zeit bei Fleetwood Mac war sie Pianistin und Background-Sängerin der Gruppe Chicken Shack. 1968 heiratete sie den Fleetwood-Mac-Bassisten John McVie, der sie 1970 in seine Band holte, als diese noch überwiegend Blues spielte.

Mitte der 1970er Jahre siedelten Fleetwood Mac in die USA über, wo sich das US-Duo Lindsey Buckingham/Stevie Nicks der Band anschloss. Der musikalische Stil entwickelte sich zunehmend in eine radiofreundliche Richtung. Christine McVie hatte daran maßgeblichen Anteil. Sie schrieb unter anderem den allerersten kommerziellen Hit »Over My Head« für Fleetwood Mac.

Inspiration Trennung

Auch nach der Scheidung der McVies blieben beide in der Gruppe. Ihre Trennung - und die des Liebespaars Buckingham und Nicks - inspirierte »Rumours«, das zu einem der meistverkauften Alben der Musikgeschichte wurde und Fleetwood Mac 1977 zu Weltstars machte. McVie sang darauf unter anderem »Don't Stop« im Duett mit Buckingham, mit dem sie 2017 auch ein Album als Duo veröffentlichte. Als Keyboarderin trat McVie zwar weniger in der Rolle der Leadsängerin in Erscheinung als Stevie Nicks, aber sie lieh mehreren Welthits ihre Stimme.

Ende der 90er Jahre verließ Christine McVie die Gruppe, weil ihr die Tourneen nach eigener Aussage zu anstrengend wurden. Daraufhin zog sie sich weitestgehend aus der Öffentlichkeit zurück. Erst 2014 stieg sie wieder ein und tourte erneut regelmäßig mit Fleetwood Mac. Am 20. November 2019 gab McVie auf der Tournee zum 50. Bandjubiläum ihr letztes Konzert mit der Band.

»Vor ein paar Stunden wurde mir gesagt, dass meine beste Freundin auf der ganzen Welt seit dem ersten Tag im Jahr 1975 gestorben ist«, schrieb Stevie Nicks am Mittwochabend. »Wir sehen uns auf der anderen Seite, meine Liebe.«

© dpa-infocom, dpa:221201-99-736962/3