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Deutscher Run auf den Oscar

Das Antikriegsdrama »Im Westen nichts Neues« geht mit neun Nominierungen ins Oscar-Rennen. Die sind für Hauptdarsteller Felix Kammerer bereits ein »Riesengeschenk«.

Vor der Oscar-Verleihung 2023
Kulturstaatsministerin Claudia Roth (r) mit Regisseur Edward Berger (l) und Schauspieler Felix Kammerer bei einem Empfang für die deutschen Oscar-Nominierten in Los Angeles. Foto: Barbara Munker
Kulturstaatsministerin Claudia Roth (r) mit Regisseur Edward Berger (l) und Schauspieler Felix Kammerer bei einem Empfang für die deutschen Oscar-Nominierten in Los Angeles.
Foto: Barbara Munker

Endspurt für Regisseur Edward Berger und sein »Im Westen nichts Neues«-Team: Beim Empfang von German Films, der Auslandsvertretung des deutschen Films, feierten am Freitag Oscar-Anwärter, Vertreter der Filmindustrie und auch Kulturstaatsministerin Claudia Roth schon einmal vor. Mit sensationellen neun Nominierungen, auch in der Top-Sparte »Bester Film«, ist das Antikriegsdrama nach dem Roman von Erich Maria Remarque, im Oscar-Rennen.

Schon diese vielen Nominierungen seien ein »Riesengeschenk«, sagte Hauptdarsteller Felix Kammerer (27), der in seiner ersten Spielfilmrolle den jungen deutschen Soldaten Paul Bäumer spielt. »Wenn wir wirklich was gewinnen sollten, dann ist das die Kirsche auf dem Eisbecher«, meint der gebürtige Wiener. Regisseur Edward Berger (53) freut sich besonders, dass gut 40 Leute von seinem Team in Hollywood dabei sind und sie alle zusammen feiern - »egal was passiert, ob wir einen kriegen, ob wir keinen kriegen, ob wir neun kriegen, was nicht passieren wird«, sagte Berger.

Filmkomponist Volker Bertelmann, auch unter dem Künstlernamen Hauschka bekannt, hat das Kriegsgrauen eindringlich untermalt. Zum zweiten Mal ist er im Oscar-Rennen. 2017 war er zusammen mit dem US-Kollegen Dustin O'Halloran für den Soundtrack zu dem Film »Lion« nominiert, bei der Verleihung aber leer ausgegangen. Die tollen Reaktionen auf »Im Westen nichts Neues« in den USA und in England hätten ihn sehr berührt, sagt Bertelmann. »Das ist ja wichtig für den deutschen Film, dass solche Filme, die mit komplettem deutschen Handwerk gemacht sind, eine solche Wirkung haben«, sagt er mit Blick auf die internationale Anerkennung.

Kulturstaatsministerin Claudia Roth verwies auf die besondere Bedeutung der deutschen Verfilmung des Remarque-Romans. »Und jetzt kommt er wieder zurück in einer Zeit, wo wir einen entfesselten, entgrenzten, dreckigen, schrecklichen Aggressionskrieg erleben«, sagte die Grünen-Politikerin. Gemeinsam mit dem »Im Westen nichts Neues«-Team wird Roth auch bei der Oscar-Gala dabei sein. Sie sei »wahnsinnig aufgeregt«, sagte die Politikerin.

Natürlich habe er eine Dankesrede vorbereitet, betonte Filmproduzent Malte Grunert. Als Produzent würde er den Oscar in der Sparte »Bester Film« gewinnen. Er glaube zwar, dass »Everything Everywhere All at Once« den Spitzenpreis holen wird - »aber wir sind ja nicht chancenlos«, fügte Grunert hinzu. Regisseur Berger muss an seiner Rede noch feilen. Er habe schon etwas geschrieben, sei aber davon enttäuscht. »Ich bin heute früh aufgewacht und dachte, das ist Mist.« In den nächsten Stunden wolle er es noch mal probieren.

© dpa-infocom, dpa:230311-99-912514/2