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Die neue Lust an der Handschrift

Ein paar von Christian Mählers Notizbüchern. Und einer seiner Tipps dazu: Werfe nie ein Notizbuch weg! Foto: privat
Ein paar von Christian Mählers Notizbüchern. Und einer seiner Tipps dazu: Werfe nie ein Notizbuch weg! Foto: privat
Papier ist geduldig, sagt man. Papier ist aber auch überflüssig, sagen andere und träumen vom papierlosen Büro. Und das schon seit vielen Jahren. Dafür könnte die Zeit jetzt kaum günstiger sein: Schließlich ist der Computer allgegenwärtig, löst die E-Mail Brief und Fax ab.

Gleichzeitig lässt sich jedoch eine Gegenbewegung beobachten: Je selbstverständlicher sich elektronische Helfer im Alltag etablieren, desto größer scheint die Sehnsucht nach schönen Papieren und Stiften zu werden. Wer sich in Papeterien umschaut, findet eine Fülle unterschiedlicher Notizbücher und Kalender: kleine und große, billige und teure; quadratische, im Hoch- oder Querformat; als Ringbücher, geklebt oder mit Fadenbindung; schlicht, bunt oder ausgefallen; billig oder sündhaft teuer.

Liegt es daran, dass Papier und Stift im Gegensatz zur Plastik-Tastatur ein zusätzliches sinnliches Erlebnis bieten? Für Kulturwissenschaftler sind solche »Ungleichzeitigkeiten« nichts Besonderes. Zumeist weisen sie auf einen dynamischen Wandel hin. In diesem Fall würde die schnelle technologische Entwicklung von Smartphones und Tablet-Computern zwangsläufig nostalgische Gegen-Gefühle provozieren.

Tatsächlich scheinen vor allem Menschen, die den ganzen Tag über mit Computern arbeiten, gern wieder zum guten alten Papier zu greifen. »Sowohl das Smartphone als auch das Notizbuch sind gerade sehr modern und hip«, glaubt Christian Mähler und verweist auf Marken mit Glamourfaktor wie Moleskine, Leuchtturm oder die X47-Reihe. Mähler hat im Mai 2009 das erfolgreiche Notizbuchblog gegründet mit einer Fülle an Hinweisen auf Neuerscheinungen, Hilfen und Links.

Stilvolle Utensilien

Stil haben Notizbücher gewiss schon lange. Das Genie Leonardo da Vinci, so wird berichtet, soll immer ein Notizbuch an seinem Gürtel getragen haben. Und ab dem späten 19. Jahrhundert waren Notizbücher das Zeichen der Pariser Boheme, ja ganz allgemein des Künstlertums. Pablo Picasso, Ernest Hemingway oder Henri Matisse hatten kleine Büchlein bei sich, um im Straßencafé ihre Eindrücke niederzuschreiben oder um Skizzen anzufertigen.

Auch Querdenker unserer Zeit führen Notizbücher als Reservoir ihrer Ideen. Von Richard Branson, dem Multimillionär, Abenteurer und Inhaber Dutzender Firmen, wird berichtet, dass in seinen vielen Notizbüchern noch unzählige Ideen für neue Geschäfte schlummerten.

Doch was ist das Besondere am Schreiben auf Papier? "Wenn ich von Hand schreibe, bremse ich mich runter, ich bin dann nur mit den Gedanken befasst", erzählt Mähler. Dagegen steht für ihn beim Schreiben mit digitalen Geräten "eher die Technik im Vordergrund. Die Gedanken sind also eher beim Medium, weniger beim Inhalt".

Entsprechend erscheinen seine Notizbücher als Sammelsurium unterschiedlicher Einträge: Aufgabenlisten neben der Notiz eines Buchtitels und einem aufgeschnappten Zitat. "Wenn ich viel um die Ohren habe und alles über mir zusammenbricht", erzählt der Software-Entwickler Mähler, "dann mache ich einen ›brain-dump‹. Ich schreibe also alles, was ansteht, ins Buch. Es klingt verrückt, aber danach ist die Welt klarer."

Seine Erfahrungen hat Mähler in den "25 Notizbuchregeln", einem kostenlosen E-Book mit nützlichen Tipps, zusammengefasst. Einige seiner Vorschläge: Auf jeder Seite einen Themenkasten nebst Datum in einer oberen Ecke zu platzieren, mit Erledigungszeichen und Verbindungslinien zu arbeiten und für jedes Thema eine neue Seite zu beginnen. (GEA)