Knop ist Ernährungswissenschaftler und Experte für Medizin-PR. Für sein Buch »Hunger & Lust« hat er über 150 Studien und über 50 Forscher-Statements ausgewertet. Nicht wenige der Untersuchungen seien von Interessenverbänden oder Lebensmittelherstellern finanziert (»Rotwein schützt das Herz«). Selbst wo dies nicht der Fall ist, liefere die Ernährungsforschung doch häufig eher statistische Zusammenhänge als klare Beweise für Ursache und Wirkung. »Im Bereich der gesunden Ernährung kursieren mehr Mythen und Märchen als gesicherte Erkenntnisse«, sagt Knop. Und rät, sich über die Ernährung nicht den Kopf zu zerbrechen, sondern den Bauch sprechen zu lassen – in Form von Hunger und Lust (siehe Interview). Ein gesunder Körper wisse selbst am besten, was er braucht und wie viel. Schokolade, Currywurst? Kein Problem, sagt Uwe Knop. Weil er auf die »kulinarische Körperintelligenz« vertraut. Die innere Stimme werde auch Salat oder Obst verlangen. Und nach üppigem Essen dauere es eben länger, bis echter Hunger wieder kommt. So viel zum Kalorienzählen.
Macht es sich Uwe Knop nicht zu einfach? Antje Gahl seufzt ein wenig. »Ganz grundsätzlich und für gesunde Menschen stimmt seine These vermutlich«, sagt die Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE. Das große Aber: Viele hätten genau diesen Zugang zum Hunger- und Sättigungsgefühl verloren. Sie werden zu oft schwach angesichts des Überangebots an Leckereien, sie futtern nebenbei, sie essen zu schnell und spüren daher nicht, wann sie satt sind. Sie verspeisen aus Gewohnheit immer das Gleiche oder das, was gerade zur Hand ist. Und immer mehr Menschen (auch Kinder) erkrankten ernährungsbedingt an Diabetes. Deshalb findet Antje Gahl ein paar Tipps zur Auswahl der Lebensmittel sehr angebracht. Die DGE empfiehlt, sich mit ausgewogener Mischkost zu ernähren. Wenn das über die Instinkte funktioniere – wunderbar. Wenn nicht, sollte man schon mit dem Verstand nachhelfen.
Dass die Wissenschaft oft eher Verwirrung stiftet als Orientierung bietet, weiß auch Antje Gahl. »Aber es liegt in der Natur der Forschung, dass es ständig neue Erkenntnisse gibt.« Beispiel: Lange hieß es, dass fünf kleine Mahlzeiten am Tag für Stoffwechsel und Figur besser seien als drei große. Neuerdings soll es genau umgekehrt sein. »Für beide Theorien gibt es bis jetzt keine sicheren Belege.« Also könne in der Tat jeder das tun, was ihm am besten bekommt.
Antje Gahls Rat: Bewusst essen, aber das Thema »gesunde Ernährung« auch nicht dogmatisch sehen. (GEA)
