PFULLINGEN. »Ich sehe Pfullingen als Favorit«, sagt Daniel Brack. Der 44-Jährige trainiert seit Beginn dieser Saison den Handball-Drittligisten TSV Neuhausen/Filder. Von 2019 bis 2023 coachte er den VfL Pfullingen. Am Samstag (20 Uhr) kommt es in der Pfullinger Kurt-App-Halle zum brisanten Aufeinandertreffen dieser beiden Teams.
GEA: Nachdem Sie sich 2023 vom VfL Pfullingen verabschiedeten, sind Sie mit dem HC Oppenweiler/Backnang einmal in die Kurt-App-Halle zurückgekehrt. In der Saison 2023/24 verloren Sie mit Oppenweiler in Pfullingen mit 31:32. Wie schätzen Sie die Lage vor Ihrer zweiten Rückkehr ein?
Daniel Brack: Ich habe in der Saison 2023/24 sogar beide Spiele mit Oppenweiler gegen Pfullingen verloren. Ich war am vergangenen Samstag in der Kurt-App-Halle und habe beim 29:28 gegen Konstanz einen überragenden VfL gesehen. Der VfL Pfullingen ist eine Mannschaft, die eine unglaubliche Cleverness und Killer-Mentalität hat. Zudem verfügt Pfullingen über ein gewachsenes Team. Für mich ist der VfL im Moment eine der besten Mannschaften in der 3. Liga Süd.
»Grundsätzlich hätte ich schon Lust auf eine Aufgabe in der 1. oder 2. Bundesliga«
Und wie bewerten Sie die Chancen mit dem TSV Neuhausen/Filder am Samstag?
Brack: Ich sehe Pfullingen als Favorit. Wenn man sich die Bilanz anschaut, muss man feststellen, dass Neuhausen/Filder in Pfullingen in der Vergangenheit fast immer verloren hat.
Felix Zeiler trainierte bis vor wenigen Wochen regelmäßig bei Neuhausen/Filder mit. Nun spielt er am Samstag im Pfullinger Trikot gegen Ihre Mannschaft …
Brack: Das ist verrückt. Das ist der Sport. Ich habe zu Beginn der Woche noch mit Felix telefoniert. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis.
»Wir sind weiter weg von der 2. Liga als das zu meiner Zeit der VfL Pfullingen war«
Nach Ihrem Ausstieg beim HC Oppenweiler/Backnang hatten sie ein Jahr Pause als Trainer. Gewollt?
Brack: Ich habe Mitte Mai 2024 entschieden, bei Oppenweiler aufzuhören. Das war eine bewusste Entscheidung. Mir war auch klar, dass ich zu diesem späten Zeitpunkt kein Angebot eines anderen Vereins mehr erhalten werde. Bereits im November ist dann der TSV Neuhausen/Filder auf mich zugekommen. Ich habe dann dort einen Vertrag ab Sommer 2025 unterschrieben.
Die Fachwelt könnte sich einen Trainer Daniel Brack in der 1. oder 2. Bundesliga sehr gut vorstellen. Haben Sie den Sprung in eine der beiden Elite-Ligen bereits abgehakt?
Brack: Nein, denn grundsätzlich hätte ich schon Lust auf eine solche Aufgabe. Es muss aber passen. Es muss eine Aufgabe sein, die mich extrem reizen würde. Mit einem Wechsel nach oben sind viele Entbehrlichkeiten verbunden. Vor allem familiär. Meine Familie fühlt sich in der Region sehr wohl.
»Der VfL hat eine unglaubliche Cleverness und Killer-Mentalität«
Der TSV Neuhausen/Filder betreibt eine exzellente Jugendarbeit. Jano Filder (die Jugendhandball-Akademie Neuhausen/Ostfildern) stand vergangene Saison mit der A-Jugend im Finale um die deutsche Meisterschaft. Sie haben in Ihrer Mannschaft mit Linus Schmid und Max Heydecke zwei Spieler, die im August mit der deutschen U19-Nationalmannschaft Weltmeister wurden. Die Perspektiven des Vereins, den Weg nach oben anzutreten, dürften glänzend sein.
Brack: Die Jugendarbeit ist in der Tat ausgezeichnet. Die herausragenden Spieler stehen aber im Fokus der Bundesligisten. Das ist ganz normal und gut so. Schmid und Heydecke haben bereits ein Zweitspielrecht für den Bundesligisten TVB Stuttgart. Das erfordert viele Absprachen und Kompromisse. In einigen Fällen muss ich auf die Spieler auch verzichten. Das zeigt sich dann in unserem Trainingsbetrieb: Manchmal habe ich 16 Spieler, manchmal nur sieben.
Wie würden Sie Ihr Ziel mit dem TSV Neuhausen beschreiben?
Brack: Wir wollen unsere Strukturen entwickeln, junge Spieler in die erste Mannschaft einbauen und uns in der 3. Liga etablieren. Von der 2. Liga sind wir sowohl strukturell als auch mannschaftlich weiter weg als das zu meiner Zeit der VfL Pfullingen war. (GEA)

