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VfB Stuttgart nach Sieg im Hochrisikospiel gegen Tel Aviv in der Europa League auf Kurs

Große Erleichterung bei den Fußballern des VfB Stuttgart nach dem 4:1-Erfolg in der Europa League gegen Maccabi Tel Aviv. Wie die Stimmung im brisanten Duell war und welche Spieler überzeugten.

Lorenz Assignon jubelt nach seinem Treffer zum 1:0.
Lorenz Assignon jubelt nach seinem Treffer zum 1:0. Foto: Frank/Eibner
Lorenz Assignon jubelt nach seinem Treffer zum 1:0.
Foto: Frank/Eibner

STUTTGART. Lorenz Assignon ballte beide Fäuste, streckte die Arme von sich und brüllte ausgelassen in Richtung der Cannstatter Kurve. Was er da wohl schrie? Würde der Franzose Deutsch sprechen, wohl so etwas wie: »Jaaaa. Es geht doch.« Schließlich erlebte der Stuttgarter Außenverteidiger erst vor sechs Tagen ein 0:5-Ligadebakel gegen den FC Bayern und flog dabei selbst mit Rot vom Feld. Das Traumtor des 25-Jährigen gegen Maccabi Tel Aviv verscheuchte nicht nur die Gedanken daran, sondern vor allem auch die negativen Schlagzeilen, die vor dem Hochrisikospiel in der Europa League allgegenwärtig waren. Auch ebnete der fulminante Kracher nach einer Flanke den Weg zum 4:1 (2:0)-Sieg. Der VfB ist im Kampf um die K.-o.-Runde nun in einer hervorragenden Position. »Jetzt haben wir genau den Haken gemacht, den wir machen wollten. Wir können fest davon ausgehen, dass wir mindestens schon mal die Play-offs erreicht haben«, freute sich Trainer Sebastian Hoeneß.

Erfreulich war am Donnerstagabend neben dem sportlichen Erfolg aber vor allem, dass der Fußball auch im Mittelpunkt des Geschehens stand. Vor der Begegnung gegen den israelischen Club in der MHP Arena hatten Bedenken und Sorgen vor möglichen antisemitisch motivierten Anfeindungen oder Ausschreitungen die Runde gemacht. Aufgrund der strikten Sicherheitskontrollen bildeten sich vor den Zugängen zum Stadion hunderte Meter lange Schlangen. Egal wohin man blickte, tummelten sich Polizisten und Sicherheitspersonal. Im Stadion zeigte sich dann: Weder blieben viele Fans fern (57.000), noch herrschte eine feindselige Atmosphäre. So nahm es auch Hoeneß wahr. »Um ehrlich zu sein, haben wir nicht so viel davon erlebt. Und das ist auch gut so.«

Pfeilschnelle Kombinationen

Ohnehin: »Unser Job ist es, auf dem Feld die Leistung zu bringen und alles andere auszublenden. Was das Drumherum angeht – das darf uns als Spieler nicht interessieren«, hatte Torjäger Deniz Undav bereits vor der Partie betont. Das mit der Leistung gelang – allerdings nicht die gesamte Zeit. Türöffner für die stärksten Minuten der Heimelf war der Assignon-Hammer, der eine Hereingabe von Maximilian Mittelstädt direkt verwandelte. Zuvor hatte Stuttgart zwar viel Ballbesitz, aber die nötige Durchschlagskraft vermissen lassen. Nach dem Treffer kehrte Leichtigkeit ins Spiel ein. Pfeilschnelle Kombinationen brachten die Gäste immer wieder in Bedrängnis und führten auch zum 2:0. Nach einem Tiefenpass von Mittelfeldmann Angelo Stiller legte Undav clever auf Tiago Tomas, statt selbst abzuziehen. Sein Sturmpartner vollendete (37.).

Zum Matchwinner avancierte übrigens nicht Assignon, sondern sein Vorlagengeber. Der als Nationalspieler ausgemusterte Mittelstädt brach über außen immer wieder gefährlich durch und sorgte mit seinen Hereingaben für viel Gefahr. Der 28-Jährige krönte seine starke Leistung mit einem sicher verwandelten Strafstoß (50.) zum zwischenzeitlichen 3:0. Coach Hoeneß hatte zu diesem Zeitpunkt die Hoffnung, »dass wir den Schwung mitnehmen«.

Nübel erneut nicht sicher

Doch VfB-Keeper Alexander Nübel erlebte einen erneut nicht glücklichen Abend. Bereits bei der Bayern-Pleite zeigte er sich unsicher. Gegen das tief stehende Tel Aviv bekam der 29-Jährige wenig Möglichkeiten, sich auszuzeichnen. Beim Gegentreffer ließ er den haltbaren Schuss von Roy Revivo (52.) passieren. Nübel unterschätzte den Versuch, war mit der Hand noch dran, doch hechtete nicht. Im Anschluss verloren die Cannstatter die Kontrolle. Es ging hin und her. Fünf Zeigerumdrehungen nach dem ersten Rückschlag verpasste Dor Peretz eine Riesenchance auf den Anschluss.

Erst gegen Ende des Spiels fingen sich die Hausherren und machten den Deckel drauf. Der eingewechselte Badredine Bouanani flankte auf Joker Josha Vagnoman, der sich zu seinem 25. Geburtstag selbst beschenkte und das 4:1 per Kopf erzielte. »Das war gut für das Gefühl«, freute sich sein Trainer über die Aktion. (GEA)