STUTTGART. Minuten nach dem Abpfiff schallte ein Weihnachtsklassiker nach dem anderen aus den Lautsprechern der Stuttgarter MHP-Arena. Trotz eines zähen 0:0 im Landesduell gegen die TSG Hoffenheim war die Stimmung bei VfB-Trainer Sebastian Hoeneß, seinen Fußballern und den Fans im nicht ganz ausverkauften Stadion gar nicht mal so schlecht. Nur einer konnte sich nicht freuen.
Torjäger Deniz Undav. Der saß nach dem Schlusspfiff im letzten Bundesligaspiel vor der Winterpause in sich zusammengesackt auf der Ersatzbank und blickte ins Nichts. Wenige Minuten zuvor hatte sich der formstarke Leistungsträger angeschickt, seine Teamkollegen im Defensiv-Gipfel doch noch zu beschenken und die Stimmung kurz vor Weihnachten damit auf den Höhepunkt zu treiben. Die Rolle des Spielverderbers übernahmen am Samstagnachmittag Schiedsrichter Daniel Siebert und sein Gespann. Denn die kassierten den feinen Kopfballtreffer (90.+2) wegen einer Abseitsstellung direkt wieder ein und verhinderten damit, dass die Cannstatter an der TSG vorbeizogen und sich als stärkster baden-württembergischer Club Richtung Festtage verabschiedeten.
» Irgendwie hat es mit dem Endprodukt nie geklappt«
»Wir hätten viel, viel mehr Chancen kreieren können. Irgendwie hat es mit dem Endprodukt nie geklappt«, sagte Undav nach einem Spiel, in dem wenig gespielt, dafür umso mehr harte und intensive Zweikämpfe geführt wurden. »Ich glaube, dass wir kein so gutes Spiel gemacht haben, wie wir das wollten. Wenn wir einen besseren Tag haben, kann das anders aussehen.« Und doch war der VfB das bessere Team. Tiago Tomas (43.), Atakan Karazor (70.) und Undav (73.) vergaben die größten Möglichkeiten. Die besinnliche Zeit durfte VfB-Keeper Alexander Nübel schon während der 90 Minuten einleiten. Zu tun hatte der 29-Jährige nämlich nichts. Ein einziger halbwegs gefährlicher Schuss kam in der kompletten Partie auf sein Tor. Hoeneß schlussfolgerte: »Es wäre in Ordnung gewesen, wenn wir gewonnen hätten. Ich bin stolz auf die Leistung meiner Mannschaft.«
Stolz war er allerdings nicht nur über den Punkt gegen Hoffenheim, sondern vor allem auch über das Auftreten seines Teams generell. Am Mikrofon in der Fankurve blickte er ergriffen zurück auf ein »überragendes Jahr« 2025 mit der Erinnerung an den DFB-Pokal-Erfolg. Der Sieg im Lokalfight »wäre natürlich der perfekte Abschluss eines guten Halbjahres gewesen«, meinte er später auf der Pressekonferenz. Er betonte aber auch: »Wir sind in allen drei Wettbewerben noch voll dabei. Jetzt werden wir regenerieren und haben eine super Ausgangsposition im neuen Jahr.« In der Europa League ist das Erreichen der Play-offs so gut wie sicher, im DFB-Pokal steht im Februar das Viertelfinale gegen Holstein Kiel an und in der Liga ist bis hin zu einem Champions-League-Platz alles drin.
»Letztes Jahr sind wir auch gut reingestartet in den zweiten Teil der Saison und haben dann verkackt«
Auch Sportvorstand Fabian Wohlgemuth zog ein positives Zwischenfazit und war vor allem darüber glücklich, sich im neuen Jahr vollkommen ohne Druck in der Liga nach vorne orientieren zu können. Der 46-Jährige wies darauf hin, dass dies lange Zeit nicht der Fall gewesen wäre und die Arbeit erleichtere. »Wir sind im grünen Bereich, haben einen breiten Kader«, meinte auch Linksverteidiger Maximilian Mittelstädt.
Nachdem sich die erste Enttäuschung gelegt hatte, blickte auch Undav optimistisch nach vorne. »Ich hoffe auf eine gute Rückrunde, die genauso gut läuft, wie die bisherige Saison. Wir wollen im DFB-Pokal und in der Europa League alles geben.« Vielleicht träumt man in Stuttgart insgeheim ja doch schon vom nächsten Titel. Allerdings mahnte der Angreifer: »Letztes Jahr sind wir auch gut reingestartet in den zweiten Teil der Saison und haben dann verkackt. Wir dürfen den gleichen Fehler nicht zweimal machen.« Was er meinte? 2025 hatte damit begonnen, dass sein Team die K.o.-Runde der Champions League verpasste und in der Liga wichtige Zähler im Kampf um eine erneute Königsklassen-Qualifikation verspielte.
»Das hinterlässt natürlich irgendwas«
Vielleicht war so ein Mini-Dämpfer deshalb gar nicht so schlecht. Kapitän Karazor meinte: »Das hinterlässt natürlich irgendwas, aber macht auch wieder mehr Bock, zu zeigen, dass wir es besser können.« Gute Nachrichten gibt es ja ebenfalls schon. Stürmer Ermedin Demirovic soll im neuen Jahr wieder einsatzfähig sein. Zudem bastelt die sportliche Leitung an einem Weihnachtsgeschenk für den Kader. Wie gemunkelt wird, soll der ecuadorianische Angreifer Jeremy Arevalo verpflichtet werden. Verraten wollte Wohlgemuth aber noch nichts. Wie das bei Geschenken nun mal üblich ist. (GEA)

