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Nach Pleite gegen Union Berlin: Ist der VfB Stuttgart zu sorglos?

Nach der 1:2-Niederlage bei Union Berlin fallen die Reaktionen milde aus. Das dürfte sich ändern, wenn es auch im Pokal bei Underdog Braunschweig schiefläuft.

Im Zentrum des Interesses: Nick Woltemade (rechts). FOTO: WINTER/WITTERS
Im Zentrum des Interesses: Nick Woltemade (rechts). FOTO: WINTER/WITTERS
Im Zentrum des Interesses: Nick Woltemade (rechts). FOTO: WINTER/WITTERS

BERLIN. Zwei Flaschen Wein und ein paar Süßigkeiten aus dem VfB-Shop hatte Fabian Wohlgemuth in einem Körbchen mit nach Berlin gebracht. Der Stuttgarter Sportvorstand konnte nicht ahnen, dass die Aufmerksamkeit für Union-Präsident Dirk Zingler zu dessen 61. Geburtstag nicht die einzigen Geschenke sein sollten, die die Schwaben in der Hauptstadt lassen würden.

Drei Punkte zu leichtfertig hergegeben, das musste die Bilanz nach dem missglückten Bundesliga-Start mit dem 1:2 in Berlin sein. Mit dem Pokal-Duell bei Eintracht Braunschweig wartet schon am Dienstag (20.45 Uhr/ARD und Sky) die nächste knifflige Aufgabe in heißer Atmosphäre gegen einen Underdog.

»Ich bin ein Freund davon, nach solchen Spielen direkt wieder spielen zu können. Wir haben die Aufgabe, eine Runde weiterzukommen. Wir werden regenerieren und noch ein, zwei Impulse setzen«, beschrieb VfB-Trainer Sebastian Hoeneß die Vorbereitung des Titelverteidigers auf die nächste Partie.

»Das Glück war nicht auf unserer Seite. Das müssen wird uns erst wieder erarbeiten«

Überraschend wirkte die relative Sorglosigkeit, die aus den Analysen von Hoeneß nach dem Null-Punkte-Auftakt zu hören war. »Die zweite Halbzeit würde ich als gut bezeichnen, die erste war okay«, beschrieb der Cheftrainer die Partie, in der Stuttgart zwar viel mehr Ballbesitz (68:32 Prozent) und klar mehr Torschüsse (15:6) hatte. Aber: »Gut« und »okay« und auch die schönen Statistiken lieferten nichts Zählbares.

Nach dem 1:2 im Supercup gegen den FC Bayern fehlte dem VfB auch im zweiten Wettbewerb der richtige Punch. Zu lieb und brav kamen die Schwaben daher, obwohl alle wussten, dass man im Berliner Osten so nichts gewinnen kann. »Das Glück war nicht auf unserer Seite, das müssen wir uns erarbeiten und dann gehen die Chancen auch wieder rein«, konstatierte Jamie Leweling.

Doch war es nur fehlendes Glück? Das Thema Woltemade war wie der Elefant im Raume. Keiner sprach mehr über die Transfer-Saga des Sommers. Der Angreifer selbst traf in der Nachspielzeit aus Abseitsposition, ansonsten fügte er sich in das offensiv ausgelegte, engagierte, aber letztlich ineffektive Schwaben-Spiel mit ein. Vorstandschef Alexander Wehrle sieht sich im Kampf um den Verbleib von Nick Woltemade nicht als Sieger im Duell mit dem FC Bayern. »Es geht um unsere sportlichen Ziele. Wir wollen eine erfolgreiche Saison spielen – mit Nick Woltemade. Das haben wir jetzt mehrfach gesagt, und ich weiß nicht, ob man uns nicht glaubt mit den Aussagen, weil immer wieder nachgefragt wird.«

Wohlgemuth diagnostizierte »Kopfthemen« im ganzen Kader. Doch Unruhe oder gar Panik spüre er nicht. Die Punkte »Effektivität« und »Konsequenz« habe man beim VfB schon länger im To-Do-Ordner. Der späte Anschlusstreffer von Rückkehrer Tiago Tomás wurde als Hoffnungszeichen angeführt. De facto war das nach den beiden Treffern von Unions Neuzugang Ilyas Ansah aber in der Endabrechnung viel zu wenig. Abwehrspieler Luca Jaquez zog sich nach Bestätigung durch den Cub in Berin einen Nasenbeinbruch zu. Das habe eine eingehende Untersuchung nach der Rückkehr aus der Hauptstadt ergeben, teilte der Bundesligist mit. (dpa/GEA)