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Deniz Undav: Der Stuttgarter Gerd Müller

Dieser Schelm. Dieses Schlitzohr. Dieser Deniz Undav. Mit einem Dreierpack wird der Angreifer des VfB Stuttgart beim 3:3-Remis gegen Borussia Dortmund zum gefeierten Helden. Ein Rückblick auf einen absurden Fußball-Nachmittag.

Eins, zwei drei: Deniz Undav glänzt in Dortmund mit einem Dreierpack.
Eins, zwei drei: Deniz Undav glänzt in Dortmund mit einem Dreierpack. Foto: Frank Zeising/Eibner
Eins, zwei drei: Deniz Undav glänzt in Dortmund mit einem Dreierpack.
Foto: Frank Zeising/Eibner

DORTMUND. Dieser Schelm. Dieses Schlitzohr. Dieser Deniz Undav. »Das war Gerd-Müller-Style. Ball kriegen, Arsch raus, durch die Beine. Solche Tore sind mir am liebsten«, sagte der 29-Jährige in typischer Deniz-Undav-Manier nach seinem Gala-Auftritt im Dortmunder Signal-Iduna-Park. Zum zweiten Mal erzielte der Angreifer im Dress des VfB Stuttgart einen Dreierpack. Allerdings dürfte der Hattrick des sechsmaligen deutschen Fußball-Nationalspielers am Samstagmittag gegen den BVB noch wesentlich eindrucksvoller sein, als seine drei Treffer beim 5:2-Erfolg gegen RB Leipzig im Januar 2024. Allein schon des Spielverlaufs wegen.

Eine Mannschaft, die zur Pause mit 0:2 gegen den Champions-League-Teilnehmer zurückliegt, in der 71. Minute wieder auf 2:2 rankommt, kurz vor Schluss in einen Konter zum bitteren 2:3 rennt und sich trotzdem am Ende noch mit dem 3:3-Ausgleich in der Nachspielzeit belohnt: So viele Hüte zum Ziehen kann man gar nicht im Schrank haben. Wenn es dann noch ein einziger Spieler ist, der in einer (!) Hälfte diesen Dreierpack schnürt und die 25.000 Zuschauer fassende »Gelbe Fan-Wand« in Dortmund zum Schweigen bringt, kann man nur sagen: Respekt. »Das ist noch nicht so vielen gelungen«, betonte VfB-Coach Sebastian Hoeneß.

Vorne traf er dreimal selbst, hinten verschuldete Deniz Undav aber einen - zweifelhaften - Elfmeter.
Vorne traf er dreimal selbst, hinten verschuldete Deniz Undav aber einen - zweifelhaften - Elfmeter. Foto: Frank Zeising/Eibner
Vorne traf er dreimal selbst, hinten verschuldete Deniz Undav aber einen - zweifelhaften - Elfmeter.
Foto: Frank Zeising/Eibner

Vor allem war es die Art und Weise, wie der gebürtige Norddeutsche seine Tore machte. Den 1:2-Anschlusstreffer kurz nach der Pause erzielte Undav technisch fein und schlitzohrig mit einem Fallrückzieher - nur ohne Fall. Beim 2:2 hielt er nach einem Kopfball von Maximilian Mittelstädt geistesgegenwärtig seinen Fuß rein und gab dem Ball damit den entscheidenden Richtungswechsel. Und bei seiner dritten Glocke, dem schönsten Treffer laut eigener Aussage, drehte sich der 29-Jährige wie Gerd Müller zu besten Zeiten gegen Nico Schlotterbeck auf und traf durch die Beine des BVB-Verteidigers hindurch ins linke untere Toreck.

»Der Deniz ist ein abgezockter Hund, der macht halt die Dinger«, musste auch der zuletzt nicht für das DFB-Team nominierte Maximilian Beier, Dortmunds Torschütze zum 2:0 und Vorlagengeber zum 3:2, neidlos anerkennen. Undav selbst kommentierte sein drittes Tor mit folgenden Worten: »Weltklasse, wie ich meinen Körper reinstelle und durch die Beine abschließe, muss ich sagen.« Als Entertainer hätte der VfB-Profi ganz gewiss auch gutes Geld verdienen können. Die Stuttgarter sind allerdings heilfroh, dass es bei ihm mit dem der Fußballprofi-Karriere, wenn auch erst im zweiten Anlauf, dann doch geklappt hat. Mit sieben Pflichtspieltreffern - sechs davon in der Bundesliga (geteilter vierter Platz) - ist er nun der beste Torschütze des DFB-Pokalsiegers, der trotz des späten Punktgewinns vorerst auf den fünften Tabellenplatz abrutscht.

Strittiger Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Brand

Alles drehte sich am Samstag um Undav. Weil er auch den Elfmeter vor dem 0:1 verschuldet hatte, als er bei einer Ecken-Hereingabe Schlotterbeck in den Fuß gelaufen war. Es war ein sehr, sehr harter Pfiff von Schiedsrichter Benjamin Brand, der den bis dato schwachen BVB nach 34 Minuten in Führung brachte. Kurios: Nico Schlotterbecks Bruder Keven, in Diensten des FC Augsburg, hatte im letzten Bundesliga-Spiel vor der Länderspielpause dem VfB nach einem Foul an Dan-Axel Zagadou einen Strafstoß ermöglicht.

Es war ein Bundesliga-Spiel das in der zweiten Hälfte alles zu bieten hatte. Vor allem viel Kopfschütteln und ungläubige Blicke der BVB-Fans über das erstaunliche VfB-Comeback. Zufall ist das inzwischen ganz sicher nicht mehr. Es war bereits das vierte Bundesliga-Spiel in dieser Saison, indem die Stuttgarter zurücklagen und mindestens noch ein Remis geholt haben (drei Siege). »Wir glauben einfach immer an uns«, betonte Matchwinner Undav. Zudem würden die Leute von der Bank auch sehr viel klasse mit reinbringen. »Da gibt es keinen Qualitätsabfall.« Bestes Beispiel: Der zur 73. Minute eingewechselte Chris Führich bereitete mit einem Pass nach einem blitzschnellen und sehenswerten Dribbling den Treffer von Undav zum 3:3 vor.

Wie viel Genugtuung muss dieser Mann gerade wohl verspüren, nachdem es nach dem Abgang von Nick Woltemade und Ermedin Demirovic's Verletzung hieß, der VfB habe jetzt ein richtig Stürmer-Problem? Die Wahrheit liegt wie immer auf dem Platz. Nach acht Undav-Torbeteiligungen in den letzten sechs Partien, meint Stuttgart-Verteidiger Finn Jeltsch: »Deniz ist einfach ein geiler Typ, geisteskrank.« (GEA)