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Alles ein wenig leiser

STUTTGART. Bernd Wahler hatte sich das eigentlich alles ein wenig anders vorgestellt. Mit überwältigender Mehrheit ins Amt gewählt, froh und glücklich darüber, seinen Traumjob gefunden zu haben, aber in den zwei Jahren, seit der ehemalige adidas-Manager nun als hauptamtlicher Präsident des VfB Stuttgart fungiert, »bin ich ja nur von Krise zu Krise gerannt«. Und wenn Zeitgenossen landläufig meinen, dass dieses Stahlbad vor allem der Akklimatisation in neuer Umgebung gedient habe, verneint Bernd Wahler das nicht. »Obwohl ich mir das anfangs alles ein wenig anders vorgestellt habe.«

Mit dem neuen Trainer Alexander Zorniger hat nun eine neue Zeitrechnung beim VfB Stuttgart begonnen. Und der Präsident vermittelt den Eindruck, dass er von dem jetzt eingeschlagenen Weg zu 100 Prozent überzeugt ist. »Als wir Armin Veh verpflichtet haben, ging es in erster Linie um diesen Namen. Jetzt stehen Sachthemen im Vordergrund.« Und damit verbindet der Präsident die Überzeugung, dass der VfB Stuttgart nach zwei absoluten Horror–Spielzeiten wieder in ruhigeres Fahrwasser kommt.

»Die Begeisterung in Stuttgart ist weiter groß, die Erwartungen sind es auch, wir wollen versuchen, die Rückschläge in Grenzen zu halten. Ich habe lernen müssen, dass langfristiges Denken und kurzfristiger Erfolgszwang zwei unterschiedliche Dinge sind. Aber die Formel für unsere Arbeit bleibt die gleiche. Und ich bin davon überzeugt, dass wir nach den vielen Umbauarbeiten jetzt auf dem richtigen Weg sind.«

Wahler, der zu Beginn seiner Amtszeit gerne davon sprach, dass der VfB Stuttgart eigentlich ins internationale Fußballgeschäft gehört, ist vorsichtiger geworden. Und ein wenig zurückhaltender. Auch leiser. Bernd Wahler überlegt länger, bevor er Fragen beantwortet.

Antonio Rüdiger weiter beim VfB

Die Fans haben sich an ihm abgearbeitet, Wahler war zwei Jahre lang vorwiegend als Krisenmanager gefragt. Die Dinge liefen anders, als Wahler das im Kopf hatte. »Ich bin Jahrzehnte Fan des VfB Stuttgart. Und ich bin es nach wie vor, aber es ist etwas anderes, nur Fan zu sein oder Fan und Präsident.« Wahler hat seine Erfahrungen gemacht. Und er ist daran gewachsen. Er ist immer noch Feuer und Flamme für den VfB Stuttgart, aber der Fan Wahler ist zu einem Diplomaten des Clubs geworden. Zumindest in der Öffentlichkeit. Bernd Wahler ist immer noch ein ungeheuer sympathischer Mensch, der immer noch das Funkeln in den Augen hat, wenn über den VfB Stuttgart gesprochen wird. Aber bei offiziellen Terminen ist Wahler ein anderer geworden. Zwei Spielzeiten in der Abstiegszone haben ihre Spuren hinterlassen.

»Wir haben den Kader umgebaut, und ich bin mit dem Ergebnis zufrieden. Und Alex Zorniger macht einen guten Job.« Der Präsident darf »Alex« sagen. Beide haben in Tübingen studiert. Und wenn Zorniger sich als »Kopf- und Bauchmensch« bezeichnet, findet der Präsident das gut. Vor allem auch, weil er sich selbst genau so beschreiben würde. Der Bauch ist der Fan, und der Kopf der Präsident. Wahler hat beides jetzt miteinander koordiniert. Man könnte auch sagen. Bernd Wahler ist angekommen.

Sein fast schon sehnsüchtiger Wunsch besteht darin, dass Schluss ist mit Horror-Spielzeiten und Abstiegsangst. Und der VfB mit dem Trainer, der für drei Jahre unterschrieben hat, und aufgrund seines erstmaligen Auftritts in der Bundesliga vermutlich wesentlich preiswerter verpflichtet werden konnte als andere in der Branche, das große Los gezogen hat.

Der Präsident geht auch davon aus, dass Nationalspieler Antonio Rüdiger den Verein vorerst nicht verlassen wird: »Im Moment gehen wir klar davon aus, dass Toni bei uns bleibt.« Rüdiger hatte in der Sommerpause zunächst selbst einen Wechsel zu einem Top-Club angestrebt, der VfB erhoffte sich eine Ablöse von bis zu 18 Millionen Euro. Doch vor zwei Wochen musste sich Rüdiger einem Eingriff am Meniskus unterziehen. Deswegen würde der VfB bei einem Verkauf aktuell sicher nicht die gewünschte Summe für den Nationalspieler erzielen.

Mit Hilfe der Millionen-Einnahme wollten Sportvorstand Robin Dutt und Zorniger die Innenverteidigung verstärken. Nun ist allenfalls noch eine Verpflichtung im kleinen Rahmen möglich. Der VfB hat für die Defensive bisher nur die Linksverteidiger Emiliano Insua (Atletico Madrid) und Philip Heise (1. FC Heidenheim) geholt. (GEA)