REUTLINGEN. »Ich bin immer noch geschockt von der ganzen Veranstaltung. Das war wirklich der Wahnsinn«, sagte Kevin Haußmann nach der WM-Gruppenauslosung in Washington. Damit meinte der Leistungsträger von Fußball-Verbandsligist Young Boys Reutlingen den merkwürdigen Auftritt von Fifa-Präsident Gianni Infantino, der USA-Präsident Donald Trump den neu initiierten Friedenspreis des Fußball-Weltverbandes überreichte. »Ich habe echt irgendwann überlegt, den Fernseher auszumachen«, betonte Haußmann weiter.
Sage und schreibe 87 Minuten dauerte der Vorlauf, bis die Losfeen an den Töpfen übernahmen. Dann wurde die Laune des 32-Jährigen jedoch auf einen Schlag besser. »Viel leichter kann es von den Namen her nicht kommen«, findet Haußmann mit Blick auf Deutschlands Gruppengegner im kommenden Sommer: Curacao, die Elfenbeinküste und Ecuador. Er selbst sieht die Südamerikaner als die Nummer zwei im Power Ranking hinter dem DFB-Team. »Wir gehen auf jeden Fall als Gruppensieger durch«, ist sich Haußmann sicher.
Eninger kennt viele Spieler der Elfenbeinküste aus dem Videospiel Fifa
Das denkt auch Jamie Göppel. Der Kicker und Kapitän des B-Ligisten TSV Eningen II schätzte im ersten Moment noch die Elfenbeinküste als zweitstärkste Kraft in Gruppe E ein, erinnerte sich aber wenige Augenblicke später daran: »Oh, stimmt ja, Ecuador wurde in der Qualifikation hinter Argentinien Zweiter.« Und das vor Nationen wie Brasilien, Kolumbien oder Uruguay. Wie auch immer: Der 24-Jährige glaubt, dass die deutsche Nationalelf definitiv mehr über den Kampf als das Spielerische zum Erfolg kommen muss. »Diese Teams werden richtig eklig zu bespielen sein, weil die wirklich alles für ihr Land geben werden«, sagte Göppel, der auf Anhieb mehrere Spieler von der Elfenbeinküste aufzählen konnte: »Amad Diallo, Franck Kessié, Nicolas Pépé. Die kenne ich alle von Fifa (Videospiel für die Konsole). Das sind schon richtig gute Kicker.«
Marion Wacker hingegen gab zu: »Ich kann nicht wirklich was über unsere Gegner sagen. Ich weiß nur, dass Curacao sich zum ersten Mal für eine WM qualifiziert hat. Aber wir müssen Gruppensieger werden. Wenn wir das nicht packen, haben wir uns schon ein bisschen blamiert.« Die leidenschaftliche VfB-Anhängerin glaubt wie Göppel, dass alle drei Mannschaften mit richtig viel Leidenschaft und Bock in die Spiele gegen Deutschland gehen werden. Das abschließende Fazit von Wacker fiel folgendermaßen aus: »Es hätte schlimmer kommen können. Zum Beispiel mit Mannschaften wie Kroatien oder Norwegen.«
WM-Neuling Curaco ist ein komplett unbeschriebenes Blatt
Maximilian Keller vom VfL Pfullingen ist da leicht anderer Meinung: »Für die Spannung hätte ich mir eher noch ein namhafteres europäisches Team gewünscht als eine Mannschaft wie Curaco, die vermutlich mit null Punkten und einer Tordifferenz von minus 12 nach der Vorrunde nach Hause fahren wird.« Er persönlich finde die Gruppe L mit England, Kroatien, Ghana und Panama »tausendmal spannender«. Für Young-Boys-Spieler Haußmann ist es dagegen okay, dass man auch mal gegen unbekanntere Nationen spielt. »Bei der EM hast du ja die ganzen namhaften europäischen Mannschaften in einem Turnier«, sagte er.
Eine Meinung teilt Keller jedoch mit seinem früheren Vereinskollegen aus Pfullingen: »Wenn du in dieser Gruppe nicht weiterkommst, dann hast es auch nicht verdient. Auf dem Papier bist du die mit Abstand beste Mannschaft. Du musst mit drei Siegen weiterkommen.« Den WM-Neuling Curaco bezeichnete der 27-Jährige als ein komplett unbeschriebenes Blatt. »Ich kann da nicht mal einen Spieler nennen.«
Bereits einen Schritt weiter denkt Dominik Hausch. Auch der Reutlinger sprach davon, dass die Nagelsmann-Schützlinge drei machbare Gegner erwischt haben. Selbst wenn die deutsche Mannschaft in der Gruppenphase noch nicht in absoluter Topform sein sollte, glaubt er an ein sicheres Weiterkommen. Doch genau diesen Punkt einer vermeintlich leichten Gruppe erachtet der 25-Jährige als gar nicht so positiv. Denn bereits im Achtelfinale könnte es zu einem Kracher-Duell mit Frankreich kommen. Hausch erinnerte an die WM 2014: »Da haben wir schon in der Vorrunde mit Portugal einen richtig guten Gegner gehabt. Die haben wir direkt mit 4:0 geschlagen. Das hat der Mannschaft zum einen gleich Selbstvertrauen gegeben. Andererseits waren wir gleich schon zum Auftakt voll gefordert und mussten bei 100 Prozent sein.« (GEA)

