RUKA. Wenn die Oberschenkel der Konkurrenz vor Schmerz brennen, kann Florian Notz seine Stärke häufig erst so richtig ausspielen – nämlich genau dann, wenn es lange bergauf geht. Der 33-jährige Ausdauerspezialist fiebert dem Start des Skilanglauf-Weltcups am Wochenende entgegen. »Endlich wieder eine Startnummer und Blutgeschmack in der Lunge«, schreibt er auf Instagram. Bergauf gehen soll es allerdings nicht nur auf der Strecke möglichst viel, sondern vor allem auch im Weltcup-Ranking. Der Dettinger will in der Olympia-Saison angreifen und zu alter Stärke finden, die ihm im Vorjahr teilweise abhandengekommen war.
Am Dienstag flog der Starter der Skizunft Römerstein zum ersten Austragungsort nach Ruka in Finnland. Mit im Gepäck: eine »sehr gute Form«, wie er dem GEA verrät. Sein erstes Rennen kann Notz kaum erwarten. »Ich freue mich wirklich sehr«, betont er gleich zweimal und schmunzelt dabei. Ein wenig Geduld braucht der Junioren-Weltmeister aus dem Jahr 2015 aber noch. Denn zunächst darf er seine Teamkollegen beim Auftakt am Freitag über die klassischen zehn Kilometer nur anfeuern. Für den großgewachsenen, aber leichten Athleten geht es erst am Sonntag im Massenstart über 20 Kilometer los. Und das hat einen Grund.
Nicht nur die Beine sind wichtig
Je länger die Distanz, desto größer sind die Chancen auf vordere Plätze für Notz, der nicht die größte Schnelligkeit, dafür aber eine beachtliche Grundlagenausdauer besitzt. Was ihm gefällt? Na klar: »Möglichst viel bergauf laufen«, erzählt er und lacht. Wichtig sind dabei aber nicht nur die Beine, sondern auch der Kopf. Der erfahrene Langläufer liebt es, an die Grenze zu gehen. »Wenn man sich nicht gerne quält, macht man den Sport nicht«, sagt er.
Mit seinem Profil ist der deutsche Meister von 2024 geradezu prädestiniert für das erste Großereignis der Saison: Die Tour de Ski (ab dem 28. Dezember). »Dieses Jahr habe ich wieder fest vor, dort anzugreifen«, so Notz, der beim Etappen-Wettkampf in der Vergangenheit bereits glänzen konnte. Als 13. der Gesamtwertung war der Wahl-Allgäuer 2019 bester deutscher Starter. 2021 kam er als 19. ins Ziel. In den letzten Jahren allerdings lief es nicht mehr ganz so rund. Immer wieder bremsten ihn auch Infekte aus.
Aus der Vergangenheit gelernt
»Das ist eigentlich mein größtes Problem«, sagt Notz über seine Krankheitsanfälligkeit. Deshalb will er in diesem Jahr nicht zu viele Rennen laufen, sich die Highlights bewusst aussuchen. Aus der Vergangenheit hat der Routinier gelernt. In der Vorsaison kam er nach eigener Aussage in eine »Überbelastung«. Nach einem »guten Start« ins Jahr »hatte ich irgendwann eine dauerhafte Müdigkeit im Körper. Und wenn es einmal in den Muskeln ist, ist es schwer, das wieder rauszubekommen«. Mit Rang 57 im Gesamtweltcup und Platz 31 im Distanzweltcup war Notz »nicht 100 Prozent zufrieden«.
Bei den ausgewählten Rennen in diesem Winter müssen die Ergebnisse stimmen. Schließlich soll es im Februar zu den Olympischen Spielen nach Val di Fiemme (Italien) gehen. Zwei Top-Fünfzehn-Platzierungen oder ein Top-Acht-Rang sind für die Qualifikation nötig. Der Dettinger hat sich vorgenommen, direkt bei seinem ersten Start am Sonntag einen Teil der Norm abzuhaken. Beim Saison-Highlight liegt der Fokus dann auf dem Skiathlon und den klassischen 50 Kilometern. »Dort will ich gut laufen und mich für die Staffel anbieten, wo wir im erweiterten Kreis der Medaillenkandidaten sind.«
Seine Vorbereitung lief gut. »Technisch geht alles in die richtige Richtung und auch die intensiven Einheiten haben gepasst«, berichtet Notz, der sogar eine längere Krankheitsphase im September wegsteckte. Und eines ist ohnehin klar: Spätestens ab Sonntag geht es nur noch in eine Richtung: bergauf. (GEA)

