REUTLINGEN. Die unfairsten Spieler, drei Sensations-Tabellenführer, schockierende Statistiken aus der Toskana und Fredi Bobic, der als Sportchef im Ausland eine Horror-Saison erlebt. Der GEA präsentiert neun kuriose Geschichten aus Fußball-Europa.
- Die unfairsten Spieler Europas
Insgesamt gibt es in den europäischen Top-Fünf-Ligen gleich sieben Spieler, die vom Schiedsrichter bereits zweimal mit einem Platzverweis vorzeitig zum Duschen geschickt wurden. An der Spitze liegt der deutsche U 21-Nationalspieler Paul Nebel vom FSV Mainz 05 mit zweimal Glattrot. Das gleiche Schicksal ereilte den uruguayischen Angreifer (!) Federico Viñas vom spanischen Erstliga-Aufsteiger Real Ovideo sowie Sadibou Sané vom FC Metz aus Frankreich. Dahinter gibt es drei Fußball-Profis, die bislang je einmal Rot sowie die Ampelkarte gesehen haben: Dominik Kohr (Mainz), Fabio Vieira (Hamburger SV) und der aus Pfäffingen stammende Thilo Kehrer, der für die AS Monaco aufläuft. Der in Tübingen geborene Abwehrspieler und 28-fache deutsche Nationalspieler ist Vizekapitän beim Fürstentum-Club. Zweimal Gelb-Rot sah Bremens Niklas Stark. Und das in nur fünf Bundesliga-Einsätzen.
- Sensations-Tabellenführer 1.0
Genau zwei Titel feierte der FC Thun in seiner 127-jährigen Vereinsgeschichte. Zweimal holte der Club aus dem 44.000-Einwohner-Städtchen den Zweitliga-Titel in der Schweiz. Ansonsten fiel der Verein eher dadurch auf, dass er in den vergangenen Jahrzehnten stets zwischen der ersten und zweiten Liga im deutschen Nachbarland pendelte. Im Sommer gelang Thun nach fünf Jahren die Rückkehr in die Erstklassigkeit. Was seitdem passiert, kommt einem Märchen sehr nahe. Das Team mit dem laut transfermarkt.de zweitniedrigsten Marktwert in der Super League steht nach 16 Spieltagen sensationell mit sechs Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze. Auf die langjährigen Über-Mannschaften FC Basel und Young Boys Bern hat der Aufsteiger aus dem Berner Oberland sogar sieben respektive acht Zähler Vorsprung.
- Sensations-Tabellenführer 2.0
Auch in Frankreich geschieht derzeit Ungewöhnliches an der Tabellenspitze. In der Ligue 1 ist Champions-League-Sieger Paris St. Germain auf dem Papier der absolute Ligaprimus. Dahinter reihen sich in der Theorie Mannschaften wie Olympique Marseille, AS Monaco, OSC Lille und Olympique Lyon ein. In welcher Reihenfolge auch immer. Nach diesem Quartett folgen noch Teams wie OGC Nizza und Stade Rennes, die manchem Fan etwas sagen dürften. Doch nach 15 Spielen thront der hierzulande eher unbekannte RC Lens auf Platz eins. Die Mannschaft hat zwar nur den siebtniedrigsten Marktwert der Ligue 1, zählt allerdings mit acht Siegen aus den letzten zehn Partien zu den formstärksten Teams der Top-Fünf-Ligen und liegt mit einem Punkt vor PSG. Interessant: Lens hat sogar noch weniger Einwohner (32.000) als das ohnehin schon beschauliche Thun.
- Sensations-Tabellenführer 3.0
In der schottischen Premiership könnte sich Historisches ereignen. Seit 1985 hießen die Meister am Ende immer Celtic Glasgow oder Glasgow Rangers. In dieser Saison ist auf der Insel allerdings vieles anders. Ausnahmsweise bestimmen nicht die beiden Glasgower Clubs das Geschehen. Nach 16 Spielen liegt völlig überraschend der Heart of Midlothian FC an der Spitze - mit nur einer Niederlage und drei Punkte vor Celtic, das jedoch ein Spiel weniger absolviert hat. Dass es nur 13 Gegentore setzte, daran dürfte auch der deutsche Torwart Alexander Schwolow (206 Bundesliga-Spiele) einen Anteil haben, der im Sommer von Union Berlin nach Schottland wechselte.
- Schwerer Stand für Torjäger in Italien
Einst stand der italienische Fußball für den klassischen Abwehrriegel, dem Catenaccio. Über die vergangenen Jahre gab es jedoch immer weniger Argumente für dieses Narrativ. So ließ Trainer Gian Piero Gasperini mit Atalanta Bergamo einen höchst ansehnlichen Offensiv-Fußball spielen. In dieser Spielzeit lässt es sich aber kaum wegdiskutieren, dass Stürmer in Italien einen schweren Stand haben. Nach 14 Spielen führt Inter-Angreifer Lautaro Martinez gemeinsam mit AC Mailands Christian Pulisic das Torjäger-Ranking der Serie A mit jeweils nur sieben Treffern an. Zum Vergleich ein Blick auf die führenden Goalgetter in den anderen Top-Fünf-Ligen. Erling Haaland steht in England bei 15 Treffern, Kylian Mbappé hat für Real Madrid bereits 16 Buden erzielt, Harry Kane für den FC Bayern sogar 17 und selbst in Frankreich kommt Mason Greenwood für Marseille auf eine zweistellige Toranzahl (10).
- Harte Zeiten in der Toskana
Drei Teams sind in den Top-10-Ligen Europas in dieser Spielzeit noch ohne Sieg. Während der portugiesische Club AVS Futebol SAD hierzulande nicht einmal absoluten Fußball-Experten etwas sagen dürfte und die Wolverhampton Wanderers schon vor der Saison zu den heißesten Abstiegskandidaten in der englischen Premier League gezählt haben, schockt insbesondere eine Mannschaft mit ihren bisherigen Leistungen. Der ruhmreiche AC Florenz um den deutschen Nationalspieler Robin Gosens wartet in der italienischen Serie A auch nach 14 Partien noch auf den ersten Dreier. Das ist insofern unglaublich, weil der Verein aus der Toskana im Sommer 90 Millionen Euro auf dem Transfermarkt ausgab (Club-Rekord) und sich Hoffnungen gemacht hat, in der kommenden Saison nach 16 Jahren wieder in der Champions League dabei zu sein. Nach zuletzt zwei Finalteilnahmen in den vergangenen drei Conference-League-Spielzeiten geht es für die Fiorentina jetzt erst einmal nur noch um das nackte Überleben. Auf das rettende Ufer haben Gosens und Co. bereits sieben Punkte Rückstand.
- Verrückte und erschreckende Tabellensituation
Ein Qualitätsnachweis ist es sicherlich nicht für die österreichische Bundesliga. Dennoch dürfte beim Blick auf die Tabelle nach 16 Spieltagen dem neutralen Fan das Herz aufgehen. In der 12er-Liga liegen zwischen dem Spitzenreiter und einstigen Seriensieger Red Bull Salzburg und dem Tabellenzehnten WSG Tirol gerade einmal acht Pünktchen Unterschied. Verrückt und erschreckend zugleich: Der zuletzt zweifache Meister Sturm Graz als Zweiter und der Linzer ASK auf Tabellenplatz drei haben bereits sechs Niederlagen kassiert.
- Kuriosum um »Hooligan-Club«
Weit über die Insel hinaus haftet dem FC Millwall das Image eines Hooligan-Clubs an. Für viele steht der englische Traditionsverein als Synonym für Gewalt im Fußball. Das ist jedoch ein anderes Thema. Die sportlich erfolgreichen Zeiten des Clubs aus dem Südosten von London liegen lange zurück. Zum letzten Mal erstklassig vertreten war Millwall in der Saison 1989/90. Doch in dieser Saison mischen »The Lions« aber wieder oben mit in der zweitklassigen Championship und dürfen sich berechtigte Aufstiegshoffnungen machen. Nach 19 Spielen liegt der FC Millwall auf dem dritten Tabellenplatz. Jetzt kommt das eigentliche Kuriosum: Mit einer Tordifferenz von Minus zwei. Interessant: Mit Steven Benda steht ein gebürtiger Stuttgarter und Ex-VfB-Jugendspieler zwischen den Pfosten.
- Horror-Saison für Fredi Bobic
Das dürfte sich Fredi Bobic anders vorgestellt haben. Seit April 2025 ist der frühere VfB-Star und ehemalige Erfolgsmanager von Eintracht Frankfurt Sportchef bei Legia Warschau. Es ist der erfolgreichste Club in der Fußball-Geschichte Polens. Legia ist mit 15 Titeln Rekordmeister, spielt seit 56 Jahren ununterbrochen erstklassig und ist noch nie in der Vereinsgeschichte abgestiegen. Am Wochenende sind die Warschauer nach der 0:2-Niederlage gegen Schlusslicht Piast Gliwice nun aber auf einen Abstiegsplatz abgerutscht. Noch schlimmer: Den letzten Ligasieg feierte Legia Ende September. (GEA)




