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Stuttgarterin Jungfleisch hofft auf Edelmetall

In Berlin will die Stuttgarterin das ersehnte erste internationale Edelmetall ihrer Karriere gewinnen

Marie-Laurence Jungfleisch kämpft im Finale von Berlin um eine Medaille.  FOTO: DPA
Marie-Laurence Jungfleisch kämpft im Finale von Berlin um eine Medaille. FOTO: DPA
Marie-Laurence Jungfleisch kämpft im Finale von Berlin um eine Medaille. FOTO: DPA

BERLIN. Leicht, locker und fröhlich übersprang Marie-Laurence Jungfleisch im ersten Versuch der Qualifikation 1,90 Meter und qualifizierte sich damit souverän für das Hochsprung-Finale am Freitag (19.20 Uhr). »Das war wirklich gut von mir und ich habe auch ein gutes Gefühl gehabt«, sagte die achtmalige deutsche Meisterin anschließend strahlend. »Und nach dieser Quali bleibe ich bei den ehrgeizigen Zielen, die ich mir gesteckt habe. Ich möchte bei dieser EM wirklich meine beste Leistung zeigen. Ich weiß, dass ich viel mehr drauf habe, als ich bislang in dieser Saison gezeigt habe«, sagte sie.

Das heißt im Klartext, im Idealfall sollte bei ihr die »2« mal wieder vor dem Komma stehen, die sie in den Jahren 2016 und 2017 schon mal übersprungen hat und deshalb die Nummer sechs in der ewigen deutschen Bestenliste ist. Zwei Meter sind im Hochsprung der Frauen die magische Marke der Allerbesten. Um zu diesem illustren Kreis zu gehören, arbeitet die 27-Jährige, die jahrelang als Erzieherin in einem Stuttgarter Kindergarten gearbeitet und nun an der FH in Esslingen Soziale Abeit studiert, seit einem Jahr mit einer Ernährungsberaterin zusammen, hat abgenommen und ihr Trainingspensum intensiviert.

Nun soll also in Berlin für die frühere Athletin der LAV Tübingen das erste internationale Edelmetall folgen. Das ist das erklärte Ziel. Im vergangenen Jahr bei der WM in London war die in Paris geborene Athletin, deren Vater von der Karibikinsel Martinique stammt, als Vierte nur knapp an einer Medaille vorbeigeschrammt. Ihr Trainer Tamas Kiss ist schon mal sicher: »Sie hat noch Reserven.« Neben Jungfleisch sprang auch Imke Onnen aus Hannover (23) ins Finale, da sie die 1,90 m im zweiten Versuch meisterte.

Überhaupt ist im Berliner Olympiastadion gerade im Hochsprung der Frauen einiges möglich, wie besondere Augenblicke der Geschichte zeigen. So sprang Rosemarie Ackermann 1977 hier als erste Frau der Welt im Straddle über zwei Meter. Unvergessen ist auch die WM 2009. Nach dem Weltrekord-Lauf von Usain Bolt über 100 Meter tobten die Fans im Olympiastadion, bis sie die deutsche Hochspringerin Ariane Friedrich nur mit ihrem Zeigefinger vor den Lippen zum Schweigen brachte. Es war so leise, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Darauf übersprang Ariane Friedrich 2,02 Meter, holte WM-Bronze und das Stadion tobte wieder. Wenige Wochen zuvor hatte Friedrich ebenfalls in Berlin die deutsche Rekordmarke beim Istaf-Meeting auf 2,06 Meter geschraubt. Zeit für ein neues deutsche Hochsprungmärchen ist allemal. (GEA)